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Tschik Cajkovski
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Re: Medien

Beitragvon Tschik Cajkovski » 23.12.20 @ 9:45

https://www.nzz.ch/sport/der-junge-fcz- ... ld.1593544


Das FCZ-Juwel Becir Omeragic ist mit 18 Jahren schon Nationalspieler – er erleuchtet den FCZ mit Intelligenz und Eleganz
Der junge Innenverteidiger Becir Omeragic ist für den FC Zürich ein heller Stern im sonst so tristen Coronaherbst. Mit seiner Spielweise erinnert er an Fabian Schär oder Virgil van Dijk.

Manchmal muss man zwei Mal hinschauen, um den eigenen Augen zu trauen. War dieser plötzliche Diagonalpass, punktgenau über fünfzig Meter geschlagen, nicht von Fabian Schär? Oder dieses Tackling – das kann nur Sergio Ramos sein, der da den Ball mit knackigem Rempler und kühler Körpertäuschung erobert. Die Frisur stimmt zwar nicht, aber dieser Pass, der unerwartet einen völlig neuen Raum öffnet, kennt man das nicht von Virgil van Dijk?

In den letzten Wochen gab es einige solcher Momente, in denen sich der Beobachter in den Arm kneift, um sicherzugehen, dass sich nicht Schär, Ramos oder van Dijk auf den Rasen im Letzigrund geschlichen hatten. Denn es waren ja die Spieler des FC Zürich, die sich da den Ball hin und her schoben, manchmal ansehnlich, dann wieder weniger, in der trüben Atmosphäre des grauen Corona-Herbstes ohne Publikum. Doch es gab eben auch diese Augenblicke, erleuchtet wie von einem hellen Stern. Sein Name: Becir Omeragic.

Tag für Tag, Spiel für Spiel

«Oh, merci beaucoup für das Kompliment», sagt Omeragic durch seine Schutzmaske. Er erhebt sich vom Klappstuhl auf der Tribüne in der Zürcher Saalsporthalle am Ende des Gesprächs. Eine halbe Stunde hat der 18-Jährige über sich, seinen schwierigen Weg als 16-Jähriger von Genf nach Zürich gesprochen, über die Angewöhnung an die neue Umgebung, die fremde Sprache, das Leben als hoch veranlagter Innenverteidiger. Omeragic redet, wie er spielt – ruhig, reflektiert, gleichzeitig neugierig wie ein junger Mensch, der die Welt entdeckt und weiss, dass es möglichst viel zu lernen gilt.

«Becirs Technik, Spielübersicht oder sein Antizipationsvermögen machen einen Teil seines Talentes aus», sagt der FCZ-Trainer Massimo Rizzo, «er ist mutig, dazu kommen aber auch sein Lernwille und die Fähigkeit, Hinweise und Ratschläge im Spiel umzusetzen – gleichzeitig ist Becir ein fröhlicher, ausgeglichener junger Spieler mit einem gesunden Umfeld, den niemand auf den Boden herunterholen muss.» Auch dann nicht, wenn er wie im Oktober im Schweizer Nationalteam gegen Kroatien während 90 Minuten debütiert und als einer der jüngsten Nationalspieler zu seinem Klub zurückkehrt.

Omeragic erzählt über die Freude, als er seinen Namen im Aufgebot von Vladimir Petkovic las. «Es hatte schon in den Wochen davor einige Gespräche mit Petkovic und Leuten aus dem Staff gegeben, aber ich war dennoch überrascht.» Der 18-Jährige hat die U 21 übersprungen, über die Erfahrung im A-Team sagt er: «Ich war nervös und etwas gestresst in den ersten Trainings.» Petkovic habe ihm vor dem Debüt vor allem geraten, ruhig zu bleiben, locker, sich keinen Stress zu machen. «Was taktisch auf dem Platz zu tun ist, wird einem von erfahrenen Spielern wie Xhaka, Schär oder Rodriguez schon gesagt.» Petkovic war angetan von Omeragics Premiere und bot ihn auch für die drei Spiele im November auf.

Der Nationaltrainer sagt: «Becir ist ein junger Spieler auf dem besten Weg, natürlich kann er sich noch verbessern – ohne grosse Gedanken an die Zukunft, in den Spielen mit dem FCZ. Für einen 18-Jährigen ist er schon ziemlich weit. Jetzt muss er bestätigen, was er bisher gezeigt hat, Tag für Tag, Spiel für Spiel, und dann den nächsten Schritt machen.» Der nächste Schritt wäre der Wechsel ins Ausland. Das sei noch kein Thema für ihn, lässt Omeragic durchblicken.

Schmerz, Tränen, Angst
Seine Entwicklung verlief bisher rasend schnell. Noch keine 40 Meisterschaftsspiele hat er absolviert, bereits ist er dreifacher Nationalspieler. Doch was von aussen wie der Höhenflug eines Frühstarters aussieht, ist mit viel Arbeit und auch mit Rückschlägen verbunden. «Es waren die Schmerzen, aber auch Angst, dass es vielleicht vorbei sein könnte mit meinem Traum», sagt Omeragic über die Tränen, als er mit 16 Jahren kurz nach der Ankunft im FCZ einen Wadenbeinbruch erlitt und heulend auf der Ersatzbank zusammensank. Er habe danach viel über seinen Körper gelernt, sei mental stärker geworden.

Man sieht es auf dem Platz. Elegant, handlungsschnell, intelligent. Wie Schär, Ramos, Van Dijk.
"we do these things not because they are easy, but because they are hard" jfk


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din Vater
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Re: Medien

Beitragvon din Vater » 23.12.20 @ 10:14

Finde den Vergleich mit Schär zum kotzen, aber offensiv hat Omeragic schon kleine Ähnlichkeiten mit Schär, zum Glück ist er defensiv um einiges besser.
ZüriKrönu hat geschrieben:
"Intelligent, weise, autoritär: Din Vater"

Zhyrus
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Re: Medien

Beitragvon Zhyrus » 23.12.20 @ 11:28

NZZ hat geschrieben:Wie Schär, Ramos, Van Dijk.

Ist das das Ratespiel, welcher Begriff passt nicht in die Reihe? :)

Schön, dass man Omeragics Qualitäten immer mehr wahrnimmt! Ob man nun schon mit der ganz grossen Namenskelle anrühren muss, sei dahin gestellt.

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spitzkicker
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Re: Medien

Beitragvon spitzkicker » 24.12.20 @ 11:12

Aus dem Tagi/Newsnet vom 24. Dezember:


Beim FCZ gibt es gerade mehr Gewinner als Verlierer. Beispiele dafür sind ein Grätschen-Gott und ein Kopfball-Monster. Weniger gut erging es einem Club-Original.

Florian Raz, Christian Zürcher


Die Aufsteiger

Massimo Rizzo, 46, Cheftrainer

Gegen Ende erhielt die coole Fassade doch erste Risse. Massimo Rizzo war in turbulenten Zeiten angetreten, als habe er vor, den Weltrekord für den ruhendsten Ruhepol zu brechen. So brachte er eine Mannschaft überraschend schnell auf die Spur, die zuvor schneller aus der Kurve geflogen war als ein Carrera-Rennauto, das von einem Dreijährigen gesteuert wird.

Aber eine Pandemie ist keine einfache Zeit, um Stabilität zu erreichen. Rizzos Strategie mit einer klaren Stammformation machte aufgrund der Verunsicherung im Team Sinn, laugte aber seine Spieler aus. Dafür bezahlte der FCZ vor der Winterpause mit Verletzungen (Kololli, Omeragic) und mit sinkender Offensivpotenz.

Mit den schwächeren Auftritten . Rizzo dürfte spüren, dass es im Club immer noch Vorbehalte gegen ihn gibt, auch wenn er über den Winter weiter arbeiten darf. Seinen Fähigkeitsausweis als Krisenmanager hat er mit Auszeichnung abgelegt. Ab Januar darf er beweisen, wie gut er langfristig arbeiten kann.

Ousmane Doumbia, 28, zentrales Mittelfeld

Als auch in diesem Sommer sein Telefon stumm bleibt, beginnt sich Ousmane Doumbia in seiner Einzimmerwohnung in Töss zu fragen, ob es ihm vielleicht nie in die Super League reicht. 28 Jahre alt ist der Ivorer, er hat sieben Jahre in der Challenge und Promotion League verbracht. Er hat trainiert, sich ausgeruht und gespielt, als gäbe es kein Morgen.

Und dann, in diesem Oktober, zahlt sich alles aus. . Und endlich gibt jemand Doumbia die Chance, sich zu beweisen. Er steht in Vaduz ein erstes Mal auf dem Feld und stellt fest: «Es fühlt sich an, als wäre ich schon seit Jahren dabei.»

So spielt er auch bis zur Winterpause. Doumbia ist der Fels, auf dem Rizzo nicht gerade seine Kirche baut – aber doch sein Spielsystem. Endlich ist da einer, der sich schon bei Ballbesitz Gedanken darüber macht, was passieren kann, wenn die Zürcher den Ball verlieren. Und der sich dann sofort daranmacht, das Spielgerät wieder zurückzuerobern.

Eine Auswertung der beiden Sechser, Doumbia und Domgjoni. Die zwei ergänzen sich: Doumbia ist der Balleroberer, Domgjoni dafür offensiv etwas wirkungsvoller.

Toni Domgjoni, 22, zentrales Mittelfeld

Neben diesem Doumbia spielt Toni Domgjoni – und die beiden ergänzen sich vorzüglich, das zeigen die Statistiken (siehe oben). Doumbia nimmt den Gegner, Domgjoni eher den Raum. Doumbia agiert vor allem defensiv, Domgjoni wagt sich auch mal nach vorn.

Ging das Wirken des 22-Jährigen in den letzten Jahren meist unter, wird es diese Hinrunde ziemlich deutlich. Er schoss zwei Tore, er gab zwei Assists, er überraschte mit Dribblings, bei denen man sich die Augen rieb; vor allem aber hielt er das Zentrum dicht, weil der FCZ kompakter steht und dem Gegner weniger Raum lässt. Domgjoni gehört zum Herzstück der Mannschaft.

Er hat also in den vergangenen Wochen gezeigt, was er kann. Es ist nicht wenig. Von daher überrascht es schon, dass es der FCZ bisher noch nicht geschafft hat, den auslaufenden Vertrag seines Talents zu verlängern. Stand jetzt stehen die Zeichen eher auf Abschied.

Becir Omeragic, 18, Innen- und Rechtsverteidiger

Es hilft, ab und zu auf das Geburtsdatum des Verteidigers zu schauen. Erst 19 Jahre alt wird dieser Becir Omeragic im Januar. Und doch spielt er bereits so abgeklärt, als sei er ein alter Routinier.

Unter Rizzo hat man eine neue Seite des Genfers kennen gelernt: Der Innenverteidiger gab einen eher atypischen, aber eleganten Rechtsverteidiger. Auch wenn er nicht langsam ist, ist er keiner für die schnellen Sprints die Linie entlang. Bei ihm sieht das immer mehr wie ein Spaziergang aus, bei dem er gern mal mehrere Gegner zugleich in die Leere grätschen lässt.

Dass der FCZ seinen Vertrag im Februar bis 2023 verlängert hat, könnte dem Club noch einige Millionen einbringen.

Silvan Wallner, 18, Rechtsverteidiger
Omeragics Umstieg auf die rechte Seite bedeutete zwischenzeitlich den Abstieg Silvan Wallners auf die Ersatzbank. Der Rechtsverteidiger ist noch nicht so weit wie sein fünf Tage jüngerer Jahrgangskollege. Und doch gehört er zu den Aufsteigern in diesem Team. Weil er wirkt, als nehme er wirklich etwas mit aus so schwierigen Spielen wie dem 0:4 in Lausanne, als seine rechte Seite beliebtes Tummelfeld der Gegner war.

Als Wallner zwei Monate später in Luzern von seinem Vordermann Tosin ähnlich wenig Unterstützung erhielt gegen die Innerschweizer Überzahl, agierte er bereits angepasst. Mehr ins Zentrum gezogen, mehr auf Sicherheit bedacht.

Lasse Sobiech, 29, Innenverteidiger
Als er kam, erzählte der Deutsche begeistert von den guten Gesprächen, die er vor seinem Leihgeschäft mit Ludovic Magnin geführt habe. Kurz darauf war der Trainer bereits weg.

Das hinderte Lasse Sobiech nicht daran, ein Anker in der Zürcher Innenverteidigung zu sein. Er ist der klassische Gegenpol zum dauergrätschenden Nathan. Ruhig im Auftritt, seine fehlende Grundgeschwindigkeit im Normalfall mit Stellungsspiel kaschierend.

Einmal, gegen St. Gallen, da wurden . Ansonsten aber überzeugt er vor allem mit seinem Kopfballspiel. Im Schnitt gewinnt er sechs Luftduelle pro Spiel. So viele wie kein anderer in der Liga.

Mit ein paar konsequent ausgearbeiteten Standardvarianten müssten bis Saisonende noch weit mehr als die bislang zwei Kopftore drinliegen.

Nathan, 25, Innenverteidiger
Man muss ihn mögen, bloss schon wegen seiner fast schon kindlichen Freude über seine gelungenen Grätschen. Seine sehr eigene Technik wurde an dieser Stelle schon gewürdigt ( und und hier).

Doch auch darüber hinaus ist Nathan ein Gewinner unter Rizzo. Er darf spielen und sammelt in jedem Spiel mehr Vertrauen. Galt er bei GC und auch beim FCZ zudem lange als sehr verletzungsanfällig, scheint er seine Balance gefunden zu haben, mit Sobiech hat er zudem einen verlässlichen Partner in der Innenverteidigung. Das zeigt auch die Statistik oben. Sobiech geht auf die hohen Bälle, Nathan auf den Gegner.

Fidan Aliti, 27, Linksverteidiger
Der Vorname Fidan kommt aus dem Türkischen, bedeutet Spross oder Sprössling und steht unter anderem für Gründung, Gemeinschaft und Zukunft. Was total zu Fidan Alitis Position beim FCZ passt. Der Baselbieter spielte beim 4:1 in Vaduz ein erstes Mal. Und ist seither Teil einer Mannschaft, die sich seit langem wieder einmal als Einheit präsentiert.

Aliti ist sicher kein Blender auf dem Platz. Für einen Aussenverteidiger ist er äusserst konservativ unterwegs. Er verteidigt gegen den Ball – und wenn er ihn hat, leitet er ihn in vernünftigem Tempo weiter. Viel mehr ist da nicht. Aber es ist so viel mehr, als es der FCZ von seinen in den letzten Jahren notorisch risikobehafteten Linksverteidigern gewöhnt ist.

Benjamin Kololli, 28, Flügelspieler
Er ist ein Brandstifter. Wo er sich aufhält, brennt es. Nun ist Kololli verletzt – und man spürt das. Feuerlöschen ist für die gegnerische Abwehr viel einfacher.

Kololli hat ein überzeugendes Halbjahr gespielt, voller Vertrauen und Überzeugung. Ein Beispiel dafür: seine Ballannahme. Ein hoher Ball, 50 Meter lang, fliegt Richtung Kololli. Hinter diesem steht ein Abwehrspieler, 1,90 Meter gross. Doch Kololli verhält sich so geschickt, dass der Verteidiger nie nur in die Nähe des Balls kommt, nicht mit dem Kopf, nicht mit dem Fuss. Wie gut das ist, zeigt sich, wenn seine Kollegen das gleiche versuchen, Ceesay oder Kramer zum Beispiel. Die Bälle verspringen reihenweise, nicht aber bei Kololli.

Er ist im Spiel omnipräsent und hat auch innerhalb der Mannschaft an Bedeutung gewonnen. Kololli ist neuerdings im Mannschaftsrat. Im Sommer aber läuft sein Vertrag aus. Er hält sich bedeckt. Doch man weiss von ihm, dass er vom Ausland träumt.

Wilfried Gnonto, 17, Flügelspieler
«Der Kleine», wie ihn jüngst Peter Zeidler genannt hat, ist schon bemerkenswert weit. Er hat zweimal von Beginn an gespielt, er hat gegen Servette das Siegtor verpasst und nur den Pfosten getroffen, gegen Vaduz ist sein Schuss dann im Tor gelandet, wurde aber Kramer zugesprochen.

Es ist eine erstaunliche Schaffenskraft für einen 17-Jährigen – und sie wird weiter zunehmen. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man beobachtet, wie er den Ball annimmt, wie er den Ball eng führt, wie er dem Gegner davonschleicht. Das ist schon sehr, sehr gut.

Keine Veränderung

Yanick Brecher, 27, Torhüter
Vor nicht allzu langer Zeit war Yanick Brecher der Trottel seiner Mannschaft, ohne dass er sich gross als Trottel aufgeführt hätte. Mal für Mal musste er den Ball aus dem Tor holen, 0:4-Niederlagen gehörten mit einer bemerkenswerten Regelmässigkeit zu seinem Alltag, und Brecher war meist noch der Beste seiner Mannschaft, fiel auf durch gute Reflexe und starke Paraden.

Diese Momente sind weniger geworden, Brecher kann sich weniger auszeichnen und muss aber auch weniger Bälle aus dem Tor holen. Es ist eine Folge der neuen Organisation. Der FCZ steht kompakter und verzichtet auf riskantes Kleinklein beim Spielaufbau.

Die neue Spielweise tangiert Goalie Brecher auch auf andere Weise. Einerseits hat er weniger Arbeit, andererseits muss er häufiger den langen Ball spielen. Mit dem Fuss kommt dieser bei ihm stets etwas ungenau, viele Bälle gehen so verloren. Es ist eine seiner Schwächen. Besser sind seine Abwürfe, nämlich sehr lang, sehr genau.

Als Captain hat er ein gutes Gefühl für die Mannschaft, dieses Gefühl sagt ihm, dass seine Kollegen etwas überspielt sind. «Wir sind froh um die Pause, wir können sie brauchen.»

Antonio Marchesano, 29, zentraler Mittelfeldspieler
Von ihm weiss man mittlerweile so einiges. Er spielt am liebsten zwischen des Gegners Linien, verfügt über eine elegante Technik und kann Spiele entscheiden. Er hat das im Oktober und November getan, er war eine der Säulen der Mannschaft und einer der Gründe für den Aufschwung.

In den letzten Wochen bekam man aber auch mit, wie Marchesano reagiert, wenn es nicht läuft. Laut. Seine italienischen Vulgärausdrücke hallen nach schlechten Pässen durch die Stadien, als hätte er gerade eine Batterie Dosenananas auf einer Pizza entdeckt. Die Flüche wurden häufiger. Man wird den Verdacht nicht los, dass Marchesano gerade ein bisschen zu viel gespielt hat. Kommt dazu, dass längst nicht alle Mitspieler gleich schnell denken können wie er.

Das führt dann zu Fehlpässen und wüsten Flüchen. Cazzo!

Aiyegun Tosin, 22, Flügelspieler
In der Welt des Fussballs gibt es so einige Dinge, die man einmal mit wissenschaftlichen Werkzeugen untersuchen müsste. Zum Beispiel wie sich Vertragsverlängerungen auf die Leistungen von Fussballern auswirken.

Momentan wäre Aiyegun Tosin ein besonders interessanter Proband. Sein Vertrag wurde Anfang November bis 2024 verlängert und finanziell aufgebessert. Seither zeigt die Formkurve von Tosin nach unten. Er scheint genügsamer, ballverliebter auch. Hat er bis anhin meist den direkten Weg auf das Tor gesucht und den Ball schnell abgespielt, verliert er sich zunehmend in Dribblings. Noch schlimmer: Vielfach wählt er nicht mehr den vertikalen Weg zum Tor, sondern bewegt sich entlang der Horizontale – und verliert so eine seiner grössten Stärken: die Geschwindigkeit.

Trotzdem gehört er nach wie vor zu den Besten in der Mannschaft. Er ist ein Unterschiedsmacher. Er läuft nimmermüde und reisst Löcher auf. Er kommt zu Chancen, er macht den FCZ besser. Kurz: Er ist unverzichtbar.

Assan Ceesay, 26, Stürmer
Eine gnadenlose Tormaschine wird aus Assan Ceesay in dieser Karriere wohl nicht mehr. Aber er ist seit seiner Rückkehr aus Deutschland zumindest nicht mehr der bemitleidenswerte Storch im Salat seiner ersten Zeit beim FCZ.

Wer Ceesays Zahlen mit jenen seines direkten Konkurrenten Blaz Kramer vergleicht, stellt klare Vorteile für den Gambier fest. Er erarbeitet sich die besseren Chancen, er gibt vor allem mehr Pässe zu Torgelegenheiten der Teamkollegen.

Dass er trotzdem nicht das volle Vertrauen seiner Trainer geniesst, liegt an seiner konstanten Inkonstanz. Wird er eingewechselt, fragt man sich, warum er nicht von Anfang an gespielt hat. Spielt er aber von Anfang an, ist er schnell der erste Kandidat für eine Auswechslung.

Adrian Winter, 34, Flügelspieler
Seine Aufträge sind kleiner geworden, Winter ist beim FCZ ein Minüteler. Er arbeitet in Minuteneinsätzen. Kurz vor Schluss darf er meist auf das Feld, um seine Mannschaft zu entlasten. Manchmal kann er in der Offensive mit klugen Pässen auffallen, meist aber kommt er gar nicht mehr in diese Situationen. Der Spielstand verlangt dann meist kühles Verwalten. Schwierig für einen, der zu seinen Stärken nie die Defensivarbeit gezählt hat.

Doch Winter übernimmt diese Rolle mit Würde. Kein böses Wort, immer ein gutes Wort zu den Jungen. Wie heisst es im Jargon: einer für die Kabine.

Die Absteiger

Ludovic Magnin, 41, Trainer

Es war dann eine hohe Niederlage zu viel. Nach dem 0:4 gegen Lausanne Anfang Oktober hat es ihn gelupft. Sein Stil hat sich abgenutzt, am Schluss hatte er die Mannschaft verloren – vielleicht hat er sie mit seinem sturen Festhalten an seiner Spielidee nie richtig erreicht. Magnin verlangte eine sehr spielerische Angriffsauflösung, eine mit viel Kleinklein-Spiel. Etwas, das seine Spieler gar nicht konnten – zu diesem Schluss kommt man heute.

Und doch war das bewundernswert, mutig auch, wie er seinen Prinzipien treu geblieben ist. Trotz einer Vielzahl an Minikrisen unter seiner Leitung, trotz grosser Kritik. Sein Vorteil: Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022.

Hekuran Kryeziu, 27, zentraler Mittelfeldspieler
Als ihn der FCZ aus Luzern holte, galt er als möglicher Königstransfer. Doch abgesehen von einer kurzen Phase neben dem damaligen Captain Victor Palsson hat Hekuran Kryeziu nie die Dominanz ausgestrahlt, die sich die Zürcher von ihm erhofften.

Natürlich wurde er durch einen Kreuzbandriss zusätzlich zurückgeworfen. Aber sein Comeback nach der schweren Verletzung ist nun auch ein Jahr her, er selbst ist mit 27 im besten Fussballeralter und in der dritten und letzten Saison seines Vertrags. Da sind 276 gespielte Minuten in dieser Saison eine Enttäuschung.

Sein Platz im Zentrum ist von Toni Domgjoni und Ousmane Doumbia besetzt. Und jetzt kommt mit Blerim Dzemaili auch noch der Held alter Tage zurück. Für Kryeziu bedeutet das wohl: Alle Zeichen stehen auf Abschied.

Blaz Kramer, 24, Stürmer
Zwei Tore hat Blaz Kramer immerhin geschossen in diesem Halbjahr. Aber wer die beiden Treffer des Slowenen anschaut, muss unweigerlich ein wenig lächeln. Beim ersten Tor wird er von Wilfried Gnonto angeschossen. Beim zweiten schiesst er so zentral und flach aufs Tor, dass Luganos Goalie Baumann von der Ziellosigkeit des Balls überrascht wirkt und ihn zwischen seinen Beinen hindurch passieren lässt.

Kramer ist willig, kräftig und schnell. Nur entscheidet sich das Spiel irgendwie meist gegen die Richtung, die er eingeschlagen hat. Und wenn er mal einen Ball hat, scheint der vor ihm flüchten zu wollen. Er hüpft ihm davon oder fliegt irgendwo ins Nirgendwo.

24 Jahre ist Kramer alt. Das lässt für einen Stürmer noch einen Schimmer Hoffnung auf mehr Stringenz und Torerfolg. Aber die Steigerung sollte im Januar beginnen.

Marco Schönbächler, 30, Flügelspieler
Ja was will man sagen? Vor dem geistigen Auge hat man noch immer Sequenzen aus der Partie gegen Mönchengladbach Anno Domini. Szenen, in denen Schönbächler eine ganze Bundesligamannschaft blossstellt. Und dann schaut man ein Spiel, Lausanne - Zürich zum Beispiel im Oktober, und reibt sich die Augen. Was ist bloss dazwischen geschehen?

Die Geschichte ist bekannt: Schönbächler war lange verletzt. Und er muss in dieser Zeit sehr viel verloren haben. Schnelligkeit, Schlitzohrigkeit, Selbstvertrauen. Klar, mit seiner Klasse kann er noch immer ein-, zweimal pro Spiel zeigen, dass er es noch könnte, noch draufhätte. Seine gelungenen Dribblings sind schnell, seine guten Pässe clever. Doch der Normalzustand genügt meist nicht mehr. Und muss er dann noch Defensivarbeit verrichten, wird es für ihn und den FCZ richtig mühsam. Seine Zweikampfführung erinnert oft an einen Boxkampf zwischen Gegner unterschiedlicher Gewichtsklassen. Das sieht dann meist sehr brutal aus.

Salim Khelifi, 26, Flügelspieler
Im September gab der FCZ bekannt, er freue sich, den Vertrag mit Salim Khelifi bis 2022 verlängert zu haben. Acht Tage später spielte er 46 Minuten gegen die Young Boys. Seither ward der 26-Jährige im Matchkader der Zürcher nicht mehr gesehen.

Khelifi hat den Ruf eines feinen Technikers ohne ausgeprägten Hang zum defensiven Zweikampf. Klingt wie die Blaupause, nach der sich die Zürcher lange Zeit ihre Spieler zusammensuchten. Und passt eher weniger zum neuen Trainer Rizzo.

Henri Koide, Stephan Seiler, Nils Reichmuth, Fabian Rohner, Willie Britto

So gut Rizzo für die Entwicklung einiger Spieler war, so zäh gestaltete sich die Zeit für die ganz Jungen. Wer nicht schon eine gewisse Erfahrung und Wettkampfhärte mitbringt (Omeragic und Wallner), hatte es schwer. Vorgänger Magnin machte noch ab und zu Experimente mit den Jungen, man erinnere sich an den Versuch mit Fabio Dixon. Bei Rizzo fallen diese völlig weg, das spüren Koide (19), Seiler (20) und Reichmuth (19).

Etwas älter ist Rohner (22), doch auch er tut sich schwer, einen Platz auf dem Flügel zu erobern. Das zeigt sich bei den Einwechslungen. Bei Not am Mann darf meist Adrian Winter Einsatzminuten sammeln und nicht er. Mirlind Kryeziu spielt beim FCZ keine Rolle mehr, er steht seit Saisonbeginn nicht im Kader. Und Willie Britto? Bei ihm gab es schon seit längerem fussballerische Zweifel. Nun ist er auch noch verletzt.

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Margi
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Re: Medien

Beitragvon Margi » 27.12.20 @ 10:59

spitzkicker hat geschrieben:Aus dem Tagi/Newsnet vom 24. Dezember:


Beim FCZ gibt es gerade mehr Gewinner als Verlierer. Beispiele dafür sind ein Grätschen-Gott und ein Kopfball-Monster. Weniger gut erging es einem Club-Original.

Florian Raz, Christian Zürcher


Die Aufsteiger

Massimo Rizzo, 46, Cheftrainer

Gegen Ende erhielt die coole Fassade doch erste Risse. Massimo Rizzo war in turbulenten Zeiten angetreten, als habe er vor, den Weltrekord für den ruhendsten Ruhepol zu brechen. So brachte er eine Mannschaft überraschend schnell auf die Spur, die zuvor schneller aus der Kurve geflogen war als ein Carrera-Rennauto, das von einem Dreijährigen gesteuert wird.

Aber eine Pandemie ist keine einfache Zeit, um Stabilität zu erreichen. Rizzos Strategie mit einer klaren Stammformation machte aufgrund der Verunsicherung im Team Sinn, laugte aber seine Spieler aus. Dafür bezahlte der FCZ vor der Winterpause mit Verletzungen (Kololli, Omeragic) und mit sinkender Offensivpotenz.

Mit den schwächeren Auftritten . Rizzo dürfte spüren, dass es im Club immer noch Vorbehalte gegen ihn gibt, auch wenn er über den Winter weiter arbeiten darf. Seinen Fähigkeitsausweis als Krisenmanager hat er mit Auszeichnung abgelegt. Ab Januar darf er beweisen, wie gut er langfristig arbeiten kann.

Ousmane Doumbia, 28, zentrales Mittelfeld

Als auch in diesem Sommer sein Telefon stumm bleibt, beginnt sich Ousmane Doumbia in seiner Einzimmerwohnung in Töss zu fragen, ob es ihm vielleicht nie in die Super League reicht. 28 Jahre alt ist der Ivorer, er hat sieben Jahre in der Challenge und Promotion League verbracht. Er hat trainiert, sich ausgeruht und gespielt, als gäbe es kein Morgen.

Und dann, in diesem Oktober, zahlt sich alles aus. . Und endlich gibt jemand Doumbia die Chance, sich zu beweisen. Er steht in Vaduz ein erstes Mal auf dem Feld und stellt fest: «Es fühlt sich an, als wäre ich schon seit Jahren dabei.»

So spielt er auch bis zur Winterpause. Doumbia ist der Fels, auf dem Rizzo nicht gerade seine Kirche baut – aber doch sein Spielsystem. Endlich ist da einer, der sich schon bei Ballbesitz Gedanken darüber macht, was passieren kann, wenn die Zürcher den Ball verlieren. Und der sich dann sofort daranmacht, das Spielgerät wieder zurückzuerobern.

Eine Auswertung der beiden Sechser, Doumbia und Domgjoni. Die zwei ergänzen sich: Doumbia ist der Balleroberer, Domgjoni dafür offensiv etwas wirkungsvoller.

Toni Domgjoni, 22, zentrales Mittelfeld

Neben diesem Doumbia spielt Toni Domgjoni – und die beiden ergänzen sich vorzüglich, das zeigen die Statistiken (siehe oben). Doumbia nimmt den Gegner, Domgjoni eher den Raum. Doumbia agiert vor allem defensiv, Domgjoni wagt sich auch mal nach vorn.

Ging das Wirken des 22-Jährigen in den letzten Jahren meist unter, wird es diese Hinrunde ziemlich deutlich. Er schoss zwei Tore, er gab zwei Assists, er überraschte mit Dribblings, bei denen man sich die Augen rieb; vor allem aber hielt er das Zentrum dicht, weil der FCZ kompakter steht und dem Gegner weniger Raum lässt. Domgjoni gehört zum Herzstück der Mannschaft.

Er hat also in den vergangenen Wochen gezeigt, was er kann. Es ist nicht wenig. Von daher überrascht es schon, dass es der FCZ bisher noch nicht geschafft hat, den auslaufenden Vertrag seines Talents zu verlängern. Stand jetzt stehen die Zeichen eher auf Abschied.

Becir Omeragic, 18, Innen- und Rechtsverteidiger

Es hilft, ab und zu auf das Geburtsdatum des Verteidigers zu schauen. Erst 19 Jahre alt wird dieser Becir Omeragic im Januar. Und doch spielt er bereits so abgeklärt, als sei er ein alter Routinier.

Unter Rizzo hat man eine neue Seite des Genfers kennen gelernt: Der Innenverteidiger gab einen eher atypischen, aber eleganten Rechtsverteidiger. Auch wenn er nicht langsam ist, ist er keiner für die schnellen Sprints die Linie entlang. Bei ihm sieht das immer mehr wie ein Spaziergang aus, bei dem er gern mal mehrere Gegner zugleich in die Leere grätschen lässt.

Dass der FCZ seinen Vertrag im Februar bis 2023 verlängert hat, könnte dem Club noch einige Millionen einbringen.

Silvan Wallner, 18, Rechtsverteidiger
Omeragics Umstieg auf die rechte Seite bedeutete zwischenzeitlich den Abstieg Silvan Wallners auf die Ersatzbank. Der Rechtsverteidiger ist noch nicht so weit wie sein fünf Tage jüngerer Jahrgangskollege. Und doch gehört er zu den Aufsteigern in diesem Team. Weil er wirkt, als nehme er wirklich etwas mit aus so schwierigen Spielen wie dem 0:4 in Lausanne, als seine rechte Seite beliebtes Tummelfeld der Gegner war.

Als Wallner zwei Monate später in Luzern von seinem Vordermann Tosin ähnlich wenig Unterstützung erhielt gegen die Innerschweizer Überzahl, agierte er bereits angepasst. Mehr ins Zentrum gezogen, mehr auf Sicherheit bedacht.

Lasse Sobiech, 29, Innenverteidiger
Als er kam, erzählte der Deutsche begeistert von den guten Gesprächen, die er vor seinem Leihgeschäft mit Ludovic Magnin geführt habe. Kurz darauf war der Trainer bereits weg.

Das hinderte Lasse Sobiech nicht daran, ein Anker in der Zürcher Innenverteidigung zu sein. Er ist der klassische Gegenpol zum dauergrätschenden Nathan. Ruhig im Auftritt, seine fehlende Grundgeschwindigkeit im Normalfall mit Stellungsspiel kaschierend.

Einmal, gegen St. Gallen, da wurden . Ansonsten aber überzeugt er vor allem mit seinem Kopfballspiel. Im Schnitt gewinnt er sechs Luftduelle pro Spiel. So viele wie kein anderer in der Liga.

Mit ein paar konsequent ausgearbeiteten Standardvarianten müssten bis Saisonende noch weit mehr als die bislang zwei Kopftore drinliegen.

Nathan, 25, Innenverteidiger
Man muss ihn mögen, bloss schon wegen seiner fast schon kindlichen Freude über seine gelungenen Grätschen. Seine sehr eigene Technik wurde an dieser Stelle schon gewürdigt ( und und hier).

Doch auch darüber hinaus ist Nathan ein Gewinner unter Rizzo. Er darf spielen und sammelt in jedem Spiel mehr Vertrauen. Galt er bei GC und auch beim FCZ zudem lange als sehr verletzungsanfällig, scheint er seine Balance gefunden zu haben, mit Sobiech hat er zudem einen verlässlichen Partner in der Innenverteidigung. Das zeigt auch die Statistik oben. Sobiech geht auf die hohen Bälle, Nathan auf den Gegner.

Fidan Aliti, 27, Linksverteidiger
Der Vorname Fidan kommt aus dem Türkischen, bedeutet Spross oder Sprössling und steht unter anderem für Gründung, Gemeinschaft und Zukunft. Was total zu Fidan Alitis Position beim FCZ passt. Der Baselbieter spielte beim 4:1 in Vaduz ein erstes Mal. Und ist seither Teil einer Mannschaft, die sich seit langem wieder einmal als Einheit präsentiert.

Aliti ist sicher kein Blender auf dem Platz. Für einen Aussenverteidiger ist er äusserst konservativ unterwegs. Er verteidigt gegen den Ball – und wenn er ihn hat, leitet er ihn in vernünftigem Tempo weiter. Viel mehr ist da nicht. Aber es ist so viel mehr, als es der FCZ von seinen in den letzten Jahren notorisch risikobehafteten Linksverteidigern gewöhnt ist.

Benjamin Kololli, 28, Flügelspieler
Er ist ein Brandstifter. Wo er sich aufhält, brennt es. Nun ist Kololli verletzt – und man spürt das. Feuerlöschen ist für die gegnerische Abwehr viel einfacher.

Kololli hat ein überzeugendes Halbjahr gespielt, voller Vertrauen und Überzeugung. Ein Beispiel dafür: seine Ballannahme. Ein hoher Ball, 50 Meter lang, fliegt Richtung Kololli. Hinter diesem steht ein Abwehrspieler, 1,90 Meter gross. Doch Kololli verhält sich so geschickt, dass der Verteidiger nie nur in die Nähe des Balls kommt, nicht mit dem Kopf, nicht mit dem Fuss. Wie gut das ist, zeigt sich, wenn seine Kollegen das gleiche versuchen, Ceesay oder Kramer zum Beispiel. Die Bälle verspringen reihenweise, nicht aber bei Kololli.

Er ist im Spiel omnipräsent und hat auch innerhalb der Mannschaft an Bedeutung gewonnen. Kololli ist neuerdings im Mannschaftsrat. Im Sommer aber läuft sein Vertrag aus. Er hält sich bedeckt. Doch man weiss von ihm, dass er vom Ausland träumt.

Wilfried Gnonto, 17, Flügelspieler
«Der Kleine», wie ihn jüngst Peter Zeidler genannt hat, ist schon bemerkenswert weit. Er hat zweimal von Beginn an gespielt, er hat gegen Servette das Siegtor verpasst und nur den Pfosten getroffen, gegen Vaduz ist sein Schuss dann im Tor gelandet, wurde aber Kramer zugesprochen.

Es ist eine erstaunliche Schaffenskraft für einen 17-Jährigen – und sie wird weiter zunehmen. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man beobachtet, wie er den Ball annimmt, wie er den Ball eng führt, wie er dem Gegner davonschleicht. Das ist schon sehr, sehr gut.

Keine Veränderung

Yanick Brecher, 27, Torhüter
Vor nicht allzu langer Zeit war Yanick Brecher der Trottel seiner Mannschaft, ohne dass er sich gross als Trottel aufgeführt hätte. Mal für Mal musste er den Ball aus dem Tor holen, 0:4-Niederlagen gehörten mit einer bemerkenswerten Regelmässigkeit zu seinem Alltag, und Brecher war meist noch der Beste seiner Mannschaft, fiel auf durch gute Reflexe und starke Paraden.

Diese Momente sind weniger geworden, Brecher kann sich weniger auszeichnen und muss aber auch weniger Bälle aus dem Tor holen. Es ist eine Folge der neuen Organisation. Der FCZ steht kompakter und verzichtet auf riskantes Kleinklein beim Spielaufbau.

Die neue Spielweise tangiert Goalie Brecher auch auf andere Weise. Einerseits hat er weniger Arbeit, andererseits muss er häufiger den langen Ball spielen. Mit dem Fuss kommt dieser bei ihm stets etwas ungenau, viele Bälle gehen so verloren. Es ist eine seiner Schwächen. Besser sind seine Abwürfe, nämlich sehr lang, sehr genau.

Als Captain hat er ein gutes Gefühl für die Mannschaft, dieses Gefühl sagt ihm, dass seine Kollegen etwas überspielt sind. «Wir sind froh um die Pause, wir können sie brauchen.»

Antonio Marchesano, 29, zentraler Mittelfeldspieler
Von ihm weiss man mittlerweile so einiges. Er spielt am liebsten zwischen des Gegners Linien, verfügt über eine elegante Technik und kann Spiele entscheiden. Er hat das im Oktober und November getan, er war eine der Säulen der Mannschaft und einer der Gründe für den Aufschwung.

In den letzten Wochen bekam man aber auch mit, wie Marchesano reagiert, wenn es nicht läuft. Laut. Seine italienischen Vulgärausdrücke hallen nach schlechten Pässen durch die Stadien, als hätte er gerade eine Batterie Dosenananas auf einer Pizza entdeckt. Die Flüche wurden häufiger. Man wird den Verdacht nicht los, dass Marchesano gerade ein bisschen zu viel gespielt hat. Kommt dazu, dass längst nicht alle Mitspieler gleich schnell denken können wie er.

Das führt dann zu Fehlpässen und wüsten Flüchen. Cazzo!

Aiyegun Tosin, 22, Flügelspieler
In der Welt des Fussballs gibt es so einige Dinge, die man einmal mit wissenschaftlichen Werkzeugen untersuchen müsste. Zum Beispiel wie sich Vertragsverlängerungen auf die Leistungen von Fussballern auswirken.

Momentan wäre Aiyegun Tosin ein besonders interessanter Proband. Sein Vertrag wurde Anfang November bis 2024 verlängert und finanziell aufgebessert. Seither zeigt die Formkurve von Tosin nach unten. Er scheint genügsamer, ballverliebter auch. Hat er bis anhin meist den direkten Weg auf das Tor gesucht und den Ball schnell abgespielt, verliert er sich zunehmend in Dribblings. Noch schlimmer: Vielfach wählt er nicht mehr den vertikalen Weg zum Tor, sondern bewegt sich entlang der Horizontale – und verliert so eine seiner grössten Stärken: die Geschwindigkeit.

Trotzdem gehört er nach wie vor zu den Besten in der Mannschaft. Er ist ein Unterschiedsmacher. Er läuft nimmermüde und reisst Löcher auf. Er kommt zu Chancen, er macht den FCZ besser. Kurz: Er ist unverzichtbar.

Assan Ceesay, 26, Stürmer
Eine gnadenlose Tormaschine wird aus Assan Ceesay in dieser Karriere wohl nicht mehr. Aber er ist seit seiner Rückkehr aus Deutschland zumindest nicht mehr der bemitleidenswerte Storch im Salat seiner ersten Zeit beim FCZ.

Wer Ceesays Zahlen mit jenen seines direkten Konkurrenten Blaz Kramer vergleicht, stellt klare Vorteile für den Gambier fest. Er erarbeitet sich die besseren Chancen, er gibt vor allem mehr Pässe zu Torgelegenheiten der Teamkollegen.

Dass er trotzdem nicht das volle Vertrauen seiner Trainer geniesst, liegt an seiner konstanten Inkonstanz. Wird er eingewechselt, fragt man sich, warum er nicht von Anfang an gespielt hat. Spielt er aber von Anfang an, ist er schnell der erste Kandidat für eine Auswechslung.

Adrian Winter, 34, Flügelspieler
Seine Aufträge sind kleiner geworden, Winter ist beim FCZ ein Minüteler. Er arbeitet in Minuteneinsätzen. Kurz vor Schluss darf er meist auf das Feld, um seine Mannschaft zu entlasten. Manchmal kann er in der Offensive mit klugen Pässen auffallen, meist aber kommt er gar nicht mehr in diese Situationen. Der Spielstand verlangt dann meist kühles Verwalten. Schwierig für einen, der zu seinen Stärken nie die Defensivarbeit gezählt hat.

Doch Winter übernimmt diese Rolle mit Würde. Kein böses Wort, immer ein gutes Wort zu den Jungen. Wie heisst es im Jargon: einer für die Kabine.

Die Absteiger

Ludovic Magnin, 41, Trainer

Es war dann eine hohe Niederlage zu viel. Nach dem 0:4 gegen Lausanne Anfang Oktober hat es ihn gelupft. Sein Stil hat sich abgenutzt, am Schluss hatte er die Mannschaft verloren – vielleicht hat er sie mit seinem sturen Festhalten an seiner Spielidee nie richtig erreicht. Magnin verlangte eine sehr spielerische Angriffsauflösung, eine mit viel Kleinklein-Spiel. Etwas, das seine Spieler gar nicht konnten – zu diesem Schluss kommt man heute.

Und doch war das bewundernswert, mutig auch, wie er seinen Prinzipien treu geblieben ist. Trotz einer Vielzahl an Minikrisen unter seiner Leitung, trotz grosser Kritik. Sein Vorteil: Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022.

Hekuran Kryeziu, 27, zentraler Mittelfeldspieler
Als ihn der FCZ aus Luzern holte, galt er als möglicher Königstransfer. Doch abgesehen von einer kurzen Phase neben dem damaligen Captain Victor Palsson hat Hekuran Kryeziu nie die Dominanz ausgestrahlt, die sich die Zürcher von ihm erhofften.

Natürlich wurde er durch einen Kreuzbandriss zusätzlich zurückgeworfen. Aber sein Comeback nach der schweren Verletzung ist nun auch ein Jahr her, er selbst ist mit 27 im besten Fussballeralter und in der dritten und letzten Saison seines Vertrags. Da sind 276 gespielte Minuten in dieser Saison eine Enttäuschung.

Sein Platz im Zentrum ist von Toni Domgjoni und Ousmane Doumbia besetzt. Und jetzt kommt mit Blerim Dzemaili auch noch der Held alter Tage zurück. Für Kryeziu bedeutet das wohl: Alle Zeichen stehen auf Abschied.

Blaz Kramer, 24, Stürmer
Zwei Tore hat Blaz Kramer immerhin geschossen in diesem Halbjahr. Aber wer die beiden Treffer des Slowenen anschaut, muss unweigerlich ein wenig lächeln. Beim ersten Tor wird er von Wilfried Gnonto angeschossen. Beim zweiten schiesst er so zentral und flach aufs Tor, dass Luganos Goalie Baumann von der Ziellosigkeit des Balls überrascht wirkt und ihn zwischen seinen Beinen hindurch passieren lässt.

Kramer ist willig, kräftig und schnell. Nur entscheidet sich das Spiel irgendwie meist gegen die Richtung, die er eingeschlagen hat. Und wenn er mal einen Ball hat, scheint der vor ihm flüchten zu wollen. Er hüpft ihm davon oder fliegt irgendwo ins Nirgendwo.

24 Jahre ist Kramer alt. Das lässt für einen Stürmer noch einen Schimmer Hoffnung auf mehr Stringenz und Torerfolg. Aber die Steigerung sollte im Januar beginnen.

Marco Schönbächler, 30, Flügelspieler
Ja was will man sagen? Vor dem geistigen Auge hat man noch immer Sequenzen aus der Partie gegen Mönchengladbach Anno Domini. Szenen, in denen Schönbächler eine ganze Bundesligamannschaft blossstellt. Und dann schaut man ein Spiel, Lausanne - Zürich zum Beispiel im Oktober, und reibt sich die Augen. Was ist bloss dazwischen geschehen?

Die Geschichte ist bekannt: Schönbächler war lange verletzt. Und er muss in dieser Zeit sehr viel verloren haben. Schnelligkeit, Schlitzohrigkeit, Selbstvertrauen. Klar, mit seiner Klasse kann er noch immer ein-, zweimal pro Spiel zeigen, dass er es noch könnte, noch draufhätte. Seine gelungenen Dribblings sind schnell, seine guten Pässe clever. Doch der Normalzustand genügt meist nicht mehr. Und muss er dann noch Defensivarbeit verrichten, wird es für ihn und den FCZ richtig mühsam. Seine Zweikampfführung erinnert oft an einen Boxkampf zwischen Gegner unterschiedlicher Gewichtsklassen. Das sieht dann meist sehr brutal aus.

Salim Khelifi, 26, Flügelspieler
Im September gab der FCZ bekannt, er freue sich, den Vertrag mit Salim Khelifi bis 2022 verlängert zu haben. Acht Tage später spielte er 46 Minuten gegen die Young Boys. Seither ward der 26-Jährige im Matchkader der Zürcher nicht mehr gesehen.

Khelifi hat den Ruf eines feinen Technikers ohne ausgeprägten Hang zum defensiven Zweikampf. Klingt wie die Blaupause, nach der sich die Zürcher lange Zeit ihre Spieler zusammensuchten. Und passt eher weniger zum neuen Trainer Rizzo.

Henri Koide, Stephan Seiler, Nils Reichmuth, Fabian Rohner, Willie Britto

So gut Rizzo für die Entwicklung einiger Spieler war, so zäh gestaltete sich die Zeit für die ganz Jungen. Wer nicht schon eine gewisse Erfahrung und Wettkampfhärte mitbringt (Omeragic und Wallner), hatte es schwer. Vorgänger Magnin machte noch ab und zu Experimente mit den Jungen, man erinnere sich an den Versuch mit Fabio Dixon. Bei Rizzo fallen diese völlig weg, das spüren Koide (19), Seiler (20) und Reichmuth (19).

Etwas älter ist Rohner (22), doch auch er tut sich schwer, einen Platz auf dem Flügel zu erobern. Das zeigt sich bei den Einwechslungen. Bei Not am Mann darf meist Adrian Winter Einsatzminuten sammeln und nicht er. Mirlind Kryeziu spielt beim FCZ keine Rolle mehr, er steht seit Saisonbeginn nicht im Kader. Und Willie Britto? Bei ihm gab es schon seit längerem fussballerische Zweifel. Nun ist er auch noch verletzt.


Ziemlich treffende Analyse, wie ich finde.
Ei Stadt, ein Verein. I eusere Stadt gits nur ein Verein!


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Re: Medien

Beitragvon camelos » 02.01.21 @ 21:51

Fussballverückter hat geschrieben:https://www.bluewin.ch/de/sport/fussball/drmic-rechnet-mit-norwich-ab-sie-haben-mir-alles-weggenommen-519025.html?fbclid=IwAR3Y49Uo23TA0Xa_kGOEw-jWe6ZDKtsku0mWHNrS9fF-M2xDLYKXx4mG8as


Sorry wenn ich ein bisschen stinkig bin

1.) gehört dieser Beitrag zu den Ehemaligen
2.) hoffe ich das dieses Interview verzehrt wieder gegeben wurde, den wenn das so wäre, würde das ein weinerliches Bild auf Josip werfen.
Josip soll pronto aufhören zu heulen.
Er kriegt, ohne zu spielen mindestens 2 Mio pro Jahr.
Ihm wurde Anfang Saison klar gemacht, das er ABSOLUT KEINE CHANCE mehr hat, ins Team zurück zu kehren (Quelle:Ja)
Genau, ER hat es jetzt in den Händen, seine Situation zu ändern und eventuell ein Schritt zurück zu machen..
14.9.20 Herr Canepa, ist Magnin nach dem Cup-Out bereits vor dem Meisterschaftsstart ein Thema? Canepa: «Nein. Diese Frage langweilt mich!»
5.10.20 Der FCZ trennt sich von Ludovic Magnin

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Re: Medien

Beitragvon MetalZH » 02.01.21 @ 23:48

camelos hat geschrieben:
Fussballverückter hat geschrieben:https://www.bluewin.ch/de/sport/fussball/drmic-rechnet-mit-norwich-ab-sie-haben-mir-alles-weggenommen-519025.html?fbclid=IwAR3Y49Uo23TA0Xa_kGOEw-jWe6ZDKtsku0mWHNrS9fF-M2xDLYKXx4mG8as


Sorry wenn ich ein bisschen stinkig bin

1.) gehört dieser Beitrag zu den Ehemaligen
2.) hoffe ich das dieses Interview verzehrt wieder gegeben wurde, den wenn das so wäre, würde das ein weinerliches Bild auf Josip werfen.
Josip soll pronto aufhören zu heulen.
Er kriegt, ohne zu spielen mindestens 2 Mio pro Jahr.
Ihm wurde Anfang Saison klar gemacht, das er ABSOLUT KEINE CHANCE mehr hat, ins Team zurück zu kehren (Quelle:Ja)
Genau, ER hat es jetzt in den Händen, seine Situation zu ändern und eventuell ein Schritt zurück zu machen..


Mich stört vor allem diese Aussage:
Eine Rückkehr zu Gladbach wäre «ein Traum, aber ich bin realistisch und sage ganz klar: Egal, ob Deutschland, England, Italien, ich will einfach nur zurück auf den Rasen, will mich wieder mit anderen messen."

Wenn er realistisch wäre, dann würde er eine Rückkehr in die Schweiz ins Auge fassen, denn in den grossen Ligen ist er vermutlich nicht mehr gefragt. Er ist 28, war oft verletzt und hat seit der Saison 13/14 (!) nicht mehr viele Tore erzielt. Nun wurde er in der 2. englischen Liga ausrangiert.

Jetzt wäre der Moment, um noch zu uns zurückzukommen und die Karriere hoffentlich in Würde und vielleicht sogar mit schönen Erfolgen zu beenden.
We are Motörhead. And we play Rock'n'Roll.


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