Serie A

Hier kommt alles über Fussball rein, das nicht mit dem FCZ zu tun hat.
CT
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Re: Serie A

Beitragvon CT » 24.01.23 @ 23:48

geile runde für napoli. ist zwar erst halbzeit, aber 12 punkte vorsprung, jetzt müssen sie es holen. ich würd's ihnen ja sowas von gönnen.
Zanni hat nicht aufgepasst!


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Sandman
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Re: Serie A

Beitragvon Sandman » 25.01.23 @ 8:05

CT hat geschrieben:geile runde für napoli. ist zwar erst halbzeit, aber 12 punkte vorsprung, jetzt müssen sie es holen. ich würd's ihnen ja sowas von gönnen.


Ja sie haben es sich es wirklich verdient. Spielen unbekümmerten frischen offensiven Fussball. Gut auch, dass der Titel nicht ständig in den Norden wandert.
"Das grösste Geheimnis der Engländer ist, warum sie nicht auswandern." (E. Kishon)

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chuk
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Re: Serie A

Beitragvon chuk » 25.01.23 @ 14:04

Ich dachte bisher, dass Pugliese und Sizilianer Juve-Fans sind, sei ein ärgerliches Italo-Schweizer-Phänomen, da der Lokalpatriotismus dann doch eher in den Hintergrund tritt.
Aber analog Basel in den 00er/10er Jahren gibts wohl auch einen "FC Italien"..... In dem Sinne, Forza Napoli!

Strafe für dubiose Transfers
Die Wut der Juventini ist kolossal
Mitten in der Saison werden Juventus Turin 15 Punkte abgezogen. Aus Protest kündigen Tausende Anhänger ihre Pay-TV-Abos. Das System der Serie A gerät in Gefahr
Oliver Meiler, Tagi

Wut ist ein formidabler Treiber. Wenn sie dann auch noch in den sozialen Medien geteilt und beschleunigt wird, ist sie schnell uferlos. Das Volk der Juventini, der Anhänger von Juventus Turin, bringt mit einer Welle von Kündigungen von Pay-TV-Verträgen seinen Zorn über das zum Ausdruck, was es als kolossale Ungerechtigkeit empfindet: nämlich die Bestrafung des Vereins mitten in der Serie-A-Saison.

Vor ein paar Tagen hat eine Gerichtsjury des italienischen Fussballverbands Juve wegen angeblich unlauterer Geschäftsgebaren auf dem Transfermarkt 15 Punkte abgezogen. Warum genau, das wird sie in ihrer Urteilsbegründung erklären müssen. Erwartet wird diese bald, jedenfalls vor dem 30. Januar. Den Juventini aber reicht schon, dass allein ihr Lieblingsverein bezahlen muss, wo doch viele andere ebenfalls tricksten.

Im süditalienischen Apulien, so hört man, sollen bereits 13’000 Abos bei Dazn und Sky gekündigt worden sein. Und wenn dies auch nur schwer zu überprüfen ist, weil die Plattformen keine Zahlen über ihre Kundschaft nach aussen kommunizieren: Sollte die Wut sich weiter aufblähen, dann könnte sich die Rache zu einem echten Sturm auswachsen – und das nicht nur für Dazn, den Platzhirsch für die Übertragung der Spiele der Serie A, und für Sky, den Nebenbuhler mit dem ausgedünnten Angebot. Sondern potenziell für das ganze System des Calcio.

Dem Bezahlfernsehen könnten 150 Millionen entgehen
Juve zählt nach neuen Schätzungen 8,1 Millionen Fans, viele von ihnen leben im Süden des Landes. Das sind zweimal so viele, wie die Konkurrenten AC Milan und Inter Mailand unterstützen, respektive 4,1 und 3,9 Millionen Anhänger. Würden 500’000 Juventini den vielen Aufrufen auf Twitter und Instagram folgen und ihre Abos kündigen, könnten dem Bezahlfernsehen etwa 150 Millionen Euro entgehen, und was ist dann wohl los? Auch der italienische Fussball lebt vom Verkauf der Fernsehrechte. Offenbar werden auch schon Zeitungsabonnements abbestellt, etwa der «Gazzetta dello Sport» aus Mailand und des «Corriere dello Sport» aus Rom. Von den Sportgazetten bleibt offenbar nur «Tuttosport» aus Turin verschont, fast ein Fanzine von Juve.

Tatsächlich sind nach der Bestrafung noch etliche Fragen offen, mindestens drei: Warum beschloss die Jury, erstens, einen Abzug von 15 Punkten, wo der Ankläger des Verbands lediglich neun gefordert hatte? Und warum, zweitens, gerade 15 Punkte – und nicht 12, 13, 14? Drittens, gegen welche Norm hat Juventus verstossen, wenn es nicht wegen überteuerter Spiegeltransfers bestraft wurde? Bisher gehen die italienischen Medien davon aus, dass der Verband die Turiner für deren angeblich systematische Illoyalität belangt und nicht wegen einzelner Operationen – weil, nun ja, sonst widerspräche das Urteil jeder Logik: Für Spiegeloperationen braucht es schliesslich immer zwei Beteiligte.

John Elkann, als CEO der Grossholding Exor auch Oberchef von Juventus, spricht von einem «ungerechten Urteil» und befeuert damit den Trotz der Fans, auch die Wut. Man sei aber bereit, zusammen mit allen anderen Vereinen und der Regierung an einem neuen Modell für einen nachhaltigen Calcio zu arbeiten, sagt Elkann. Da schwingt mit, dass vieles im Argen liegt.

Die Ultras von Juventus übrigens gehen hart ins Gericht mit dem eigenen Verein, dem sie Angeberei und Geschäftemacherei vorwerfen. In einem gemeinsamen Communiqué schreiben die drei grössten Gruppen, die neue Affäre sei schlimmer als «Calciopoli»; so nannte man 2006 den grossen Skandal um die Schiebereien unter Luciano Moggi.

Im Hintergrund bereitet der Club seine Verteidigung in mehreren Varianten vor, doch die Strategie hängt von der Urteilsbegründung ab. Es stehen drei mögliche Berufungsinstanzen offen. Sollte Juve am Ende die 15 Punkte wieder gutgeschrieben bekommen, na ja, dann würden die Juventini ihre Abos wahrscheinlich wieder aktivieren. Wer will die Lieblinge schon nicht spielen sehen, immer und überall. Nur, die Vergünstigung für Altkunden, die ist dann weg.

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mitleser
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Re: Serie A

Beitragvon mitleser » 26.01.23 @ 23:58

chuk hat geschrieben:Ich dachte bisher, dass Pugliese und Sizilianer Juve-Fans sind, sei ein ärgerliches Italo-Schweizer-Phänomen, da der Lokalpatriotismus dann doch eher in den Hintergrund tritt.
Aber analog Basel in den 00er/10er Jahren gibts wohl auch einen "FC Italien"..... In dem Sinne, Forza Napoli!

Strafe für dubiose Transfers
Die Wut der Juventini ist kolossal
Mitten in der Saison werden Juventus Turin 15 Punkte abgezogen. Aus Protest kündigen Tausende Anhänger ihre Pay-TV-Abos. Das System der Serie A gerät in Gefahr
Oliver Meiler, Tagi

Wut ist ein formidabler Treiber. Wenn sie dann auch noch in den sozialen Medien geteilt und beschleunigt wird, ist sie schnell uferlos. Das Volk der Juventini, der Anhänger von Juventus Turin, bringt mit einer Welle von Kündigungen von Pay-TV-Verträgen seinen Zorn über das zum Ausdruck, was es als kolossale Ungerechtigkeit empfindet: nämlich die Bestrafung des Vereins mitten in der Serie-A-Saison.

Vor ein paar Tagen hat eine Gerichtsjury des italienischen Fussballverbands Juve wegen angeblich unlauterer Geschäftsgebaren auf dem Transfermarkt 15 Punkte abgezogen. Warum genau, das wird sie in ihrer Urteilsbegründung erklären müssen. Erwartet wird diese bald, jedenfalls vor dem 30. Januar. Den Juventini aber reicht schon, dass allein ihr Lieblingsverein bezahlen muss, wo doch viele andere ebenfalls tricksten.

Im süditalienischen Apulien, so hört man, sollen bereits 13’000 Abos bei Dazn und Sky gekündigt worden sein. Und wenn dies auch nur schwer zu überprüfen ist, weil die Plattformen keine Zahlen über ihre Kundschaft nach aussen kommunizieren: Sollte die Wut sich weiter aufblähen, dann könnte sich die Rache zu einem echten Sturm auswachsen – und das nicht nur für Dazn, den Platzhirsch für die Übertragung der Spiele der Serie A, und für Sky, den Nebenbuhler mit dem ausgedünnten Angebot. Sondern potenziell für das ganze System des Calcio.

Dem Bezahlfernsehen könnten 150 Millionen entgehen
Juve zählt nach neuen Schätzungen 8,1 Millionen Fans, viele von ihnen leben im Süden des Landes. Das sind zweimal so viele, wie die Konkurrenten AC Milan und Inter Mailand unterstützen, respektive 4,1 und 3,9 Millionen Anhänger. Würden 500’000 Juventini den vielen Aufrufen auf Twitter und Instagram folgen und ihre Abos kündigen, könnten dem Bezahlfernsehen etwa 150 Millionen Euro entgehen, und was ist dann wohl los? Auch der italienische Fussball lebt vom Verkauf der Fernsehrechte. Offenbar werden auch schon Zeitungsabonnements abbestellt, etwa der «Gazzetta dello Sport» aus Mailand und des «Corriere dello Sport» aus Rom. Von den Sportgazetten bleibt offenbar nur «Tuttosport» aus Turin verschont, fast ein Fanzine von Juve.

Tatsächlich sind nach der Bestrafung noch etliche Fragen offen, mindestens drei: Warum beschloss die Jury, erstens, einen Abzug von 15 Punkten, wo der Ankläger des Verbands lediglich neun gefordert hatte? Und warum, zweitens, gerade 15 Punkte – und nicht 12, 13, 14? Drittens, gegen welche Norm hat Juventus verstossen, wenn es nicht wegen überteuerter Spiegeltransfers bestraft wurde? Bisher gehen die italienischen Medien davon aus, dass der Verband die Turiner für deren angeblich systematische Illoyalität belangt und nicht wegen einzelner Operationen – weil, nun ja, sonst widerspräche das Urteil jeder Logik: Für Spiegeloperationen braucht es schliesslich immer zwei Beteiligte.

John Elkann, als CEO der Grossholding Exor auch Oberchef von Juventus, spricht von einem «ungerechten Urteil» und befeuert damit den Trotz der Fans, auch die Wut. Man sei aber bereit, zusammen mit allen anderen Vereinen und der Regierung an einem neuen Modell für einen nachhaltigen Calcio zu arbeiten, sagt Elkann. Da schwingt mit, dass vieles im Argen liegt.

Die Ultras von Juventus übrigens gehen hart ins Gericht mit dem eigenen Verein, dem sie Angeberei und Geschäftemacherei vorwerfen. In einem gemeinsamen Communiqué schreiben die drei grössten Gruppen, die neue Affäre sei schlimmer als «Calciopoli»; so nannte man 2006 den grossen Skandal um die Schiebereien unter Luciano Moggi.

Im Hintergrund bereitet der Club seine Verteidigung in mehreren Varianten vor, doch die Strategie hängt von der Urteilsbegründung ab. Es stehen drei mögliche Berufungsinstanzen offen. Sollte Juve am Ende die 15 Punkte wieder gutgeschrieben bekommen, na ja, dann würden die Juventini ihre Abos wahrscheinlich wieder aktivieren. Wer will die Lieblinge schon nicht spielen sehen, immer und überall. Nur, die Vergünstigung für Altkunden, die ist dann weg.


Die 150 Millionen gehen wohl eher verloren weil alle im Süden die Pay-TV Sender schwarz schauen. :-)

CT
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Re: Serie A

Beitragvon CT » 30.04.23 @ 9:19

Zanni hat nicht aufgepasst!

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johnny
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Re: Serie A

Beitragvon johnny » 30.04.23 @ 10:35

CT hat geschrieben:jemand so nett? grazie.
https://www.tagesanzeiger.ch/napoli-ist ... 5075141695

Fussballstadt im Meisterrausch
«Napoli ist mit nichts zu vergleichen»
Am Sonntag kann Napoli nach 33 Jahren wieder Meister werden – Blerim Dzemaili hat die Stadt und den Club erlebt, der seit den Tagen von Diego Maradona so viel Magie ausstrahlt.
Thomas Schifferle
Morgens um 3 Uhr waren die Helden zurück in Neapel. 1:0 hatten sie beim grossen Rivalen aus dem Norden, Juventus, gewonnen, Giacomo Raspadori war das Tor gelungen, als das Spiel schon fast zu Ende war, in der 93. Minute. Umso grösser war der Gefühlsausbruch der Napoli-Spieler.

Zurück in ihrer Stadt fuhren sie vom Flughafen ins Zentrum, Dutzende verfolgten den Bus auf ihren Motorrädern, hupend und jubelnd. Frank Anguissa, der kamerunische Recke, filmte sie aus dem Mannschaftsbus heraus und postete die Bilder auf Instagram. Die Bilder drückten die ausgelassene Freude darüber aus, dass die SSC am Sonntag Meister der Serie A werden kann, endlich wieder nach langen 33 Jahren.
Blerim Dzemaili hat sie auch gesehen. «Das kenne ich», sagt er, «das ist halt Napoli.» Und eines ist ihm auch gleich aufgefallen: «Praktisch niemand trägt auf dem Motorrad einen Helm.» Er lacht herzhaft.

Dzemaili weiss noch immer genau, was an dem Ort los ist, an dem er einst drei Jahre lebte und spielte. Napoli lässt ihn nicht los, obwohl er bald schon neun Jahre weg und inzwischen wieder zurück in Zürich ist. Er ist Teil eines Chats von Legenden der SSC, Legenden sind in Neapel all jene Spieler, die entweder 1987 und 1990 beim Gewinn der Meisterschaft dabei waren oder dann wie Dzemaili 2012 und 2014 beim Gewinn des Cups. In diesem Chat findet sich alles, was in Neapel gerade so los ist – auch über die jüngsten Querelen zwischen den Ultras und dem ungeliebten Clubbesitzer Aurelio De Laurentiis.
Der FCZ ist Dzemailis Jugend- und Herzensverein, der ihm die Karriere ermöglichte, die er gemacht hat. Darum ist er so glücklich, dass er mit ihm im vergangenen Sommer nochmals einen Meistertitel feiern konnte. Für den 37-Jährigen hat sich damit ein Kreis geschlossen, fünfzehn Jahre nach seinen ersten Triumphen mit diesem Verein.

Er war in Bolton, wo er wegen eines Kreuzbandrisses nur einen Einsatz hatte, er war in Turin, in Parma, Istanbul, Genua, Bologna, Montreal und Shenzhen, China. Aber nirgends ist es so gewesen wie an diesem einen magischen Ort, wie in Neapel. 2011 bis 2014 spielte er hier, in der Stadt von San Gennaro und Diego Maradona, heilig der eine, göttlich der andere. Heute sagt er: «Die Jahre in Neapel sind für mich die wichtigsten überhaupt gewesen.»

Die AC Milan war von klein auf sein Verein, er war nicht gleich Fan von ihr, aber Sympathisant. Die Farben der Rossoneri hatten es ihm angetan, ihre rot-schwarzen Leibchen. Nach zwei Jahren in Parma gab es einen losen Kontakt nach Mailand. Die AC wäre ein Club gewesen, wie er sich ihn für den nächsten Schritt in seiner Karriere vorstellte, «es war für mich der richtige Zeitpunkt, zu einer grossen Mannschaft zu wechseln», erinnert er sich.

Aber es war die SSC, die Società Sportiva Calcio aus Neapel, die sich schon im März um ihn bemühte und ihm das Gefühl vermittelte, ihn unbedingt zu wollen. Und auch er wollte, weil ihn dieser Verein und der Ort «mega reizten». Und weil ihn die Herausforderung reizte, sich gegen Widerstände wehren zu müssen. Eines war ihm damals bewusst: «Mental musste ich extrem bereit sein, um da zu spielen.»
Dzemaili liess sich in Posillipo nieder, einem vornehmen Quartier an einem Hügel, wo einst auch Maradona gelebt hatte. Er wohnte so, dass er über die ganze Stadt blicken konnte. Kaum hatte er im September 2011 sein Serie-A-Debüt bei Napoli gegeben, verletzte er sich. Eine Vene am Fuss war aufgerissen, er musste Antibiotika nehmen und konnte kaum laufen, weil der Fuss so geschwollen war. Darum sass er nur daheim, als Napoli in der Champions League sein erstes Heimspiel gegen Villarreal bestritt. Aber selbst da bekam er die aussergewöhnliche Stimmgewalt der Fans im Stadion mit, das zu der Zeit noch Stadio San Paolo hiess und noch nicht Stadio Diego Armando Maradona. «Ich hörte die Fans bis zu mir, wie sie zur Hymne der Champions League sangen», sagt er.

Die Waffe an Behramis Kopf
Die erste Saison beendete Napoli mit dem Sieg in der Coppa Italia, das Gefühl war wunderbar, im Final ausgerechnet das im Süden unbeliebte Juventus 2:0 bezwungen zu haben. An Dzemailis Seite spielte Gökhan Inler, ein anderer alter FCZler, der im Sommer zuvor für 18 Millionen Euro aus Udine gekommen war.

Auf die folgende Saison wuchs das Schweizer Grüppchen an, der damals noch extravagante Valon Behrami wechselte aus Florenz an den Vesuv. Nach seinen ersten Monaten hatte Behrami ein unangenehmes Erlebnis. Er war mit dem Auto unterwegs, als zwei Typen auf einem Motorrad ihm den Seitenspiegel einschlugen, und als er das Fenster herunterliess, hielt ihm einer von ihnen eine Waffe an den Kopf. Sie wollten seine Uhr.

«Das ging ganz schnell», erzählte Behrami einmal in dieser Zeitung. Als er später darüber nachdachte, sagte er sich, es hätte auch etwas Schlimmeres passieren können. Teamkollegen rieten ihm: «Bleib ruhig, das kommt nicht mehr vor, trag keine Uhr, wenn du herumläufst.» Als er Wochen später vom Trainingsgelände wegfuhr und noch Autogramme gab, flog ein Zeitungsknäuel durch sein offenes Autofenster, darin eingewickelt die Uhr.

Auch andere Spieler wurden bestohlen oder ausgeraubt. Dzemaili hat nie so etwas erlebt. «Du musst halt darauf verzichten, eine teure Uhr zu tragen», sagt er, «du darfst nicht provozieren.» Bevor er zum Essen in die Stadt ging, stellte er sich immer diese Frage: «Wann gehe ich in welches Restaurant?» Samstag und Sonntag waren tabu, da war zu viel Trubel. Auch Tage nach Niederlagen waren nicht ratsam, ebenso wenig Restaurants mit vielen Leuten oder die wuseligen «Quartieri Spagnoli» in der Altstadt.
«Aber es war alles machbar», sagt Dzemaili. «Die Menschen sind sehr warmherzig, sie nehmen einen auf.» Sie sind stolz auf die Fussballer, weil die ihre Stadt vertreten. In Neapel dreht sich alles um den Fussball, 24 Stunden am Tag. Und vielleicht hat keiner mehr für die Stadt getan und sie in der Welt bekannter gemacht als ein Argentinier, als Diego Maradona. Dank ihm hat sie sich erfolgreich aufgelehnt gegen das Establishment aus dem reichen Norden, aus Turin und Mailand, das den Süden gern abschätzig behandelt.

Als Maradona 1984 aus Barcelona zu Napoli wechselte, war der Club eine kleine Nummer, zweimal Cupsieger, mehr nicht. 75’000 waren bei seinem ersten Showtraining im Stadion. Drei Jahre später führte er Napoli erstmals überhaupt zum Meistertitel, 1989 zum Uefa-Cup-Sieg und 1990 nochmals zur Meisterschaft. Seither «wird er wirklich vergöttert», sagt Dzemaili. Übergrosse Wandmalereien zeugen noch immer von den Spuren, die Maradona in Neapel hinterlassen hat.

Einmal, Anfang 2013, traf ihn auch Dzemaili. Maradona war erstmals wieder in die Stadt zurückgekommen, die er wegen seiner 39 Millionen Euro Schulden beim Steueramt lange gemieden hatte. Er kam in die Kabine und schüttelte Hände. Dzemaili spürte den Respekt, den alle Maradona entgegenbrachten.

2013 wurde Napoli Zweiter in der Liga. Vielleicht wäre alles anders ausgegangen, wenn Dzemaili im Heimspiel gegen Juventus seine grosse Chance genutzt hätte. In der 85. Minute stand er allein vor dem Tor, Gianluigi Buffon hechtete in die eine Ecke, Dzemaili schoss an der anderen vorbei. Es blieb beim 1:1. Napoli startete danach eine Siegesserie, Dzemaili trug sechs Treffer dazu bei. Am Ende war die Juve trotzdem um neun Punkte entschwunden.
Heute sagt Dzemaili: «Napoli ist mit nichts zu vergleichen.» Und er zitiert ein Sprichwort, das für ihn so viel zum Ausdruck bringt: «Vedi Napoli e poi muori, sieh Neapel und stirb.» Es ist eine Metapher dafür, die Stadt in ihrer Schönheit erlebt und nachher nichts mehr Besseres gesehen zu haben. Dzemaili schwärmt von der nahen Amalfi-Küste, von Ischia, von Capri. Diesen Sommer kehrt er wieder als Tourist zurück, um alte Kollegen zu treffen. Er weiss, die Menschen werden ihn erkennen, weil auch ehemalige Spieler von Napoli hier immer erkannt werden.

Keine Sehnsucht, nur Stolz
«Bomba Dze Dze» wurde er genannt, weil er so einen harten Schuss hatte. 2014 verliess er den Verein, nach einem 3. Platz in der Liga, einem zweiten Cupsieg und insgesamt 109 Einsätzen mit 18 Toren. Auch Behrami zog weiter, weil er genug von der Stadt hatte, nachdem ihm auch ein Auto gestohlen worden war. Inler blieb noch eine weitere Saison, bis auch er ging.

Dzemaili spürt heute keine Wehmut, wenn er von Neapel berichtet, auch keine Sehnsucht, da nochmals spielen zu können. Selbst als emotionaler Mensch kann er pragmatisch denken: «Jedes Abenteuer endet irgendwann.» Jetzt spielt er für den FCZ mit dem gleichen Stolz, mit dem er sich für Napoli eingesetzt hatte.

Aus der Ferne ist er angetan vom Fussball, den Napoli diese Saison zeigt: von der Arbeit Luciano Spallettis, der für ihn in Italien der beste Trainer überhaupt ist, von der Intensität und dem Offensivgeist der Mannschaft, von Victor Osimhen, diesem nigerianischen Kraftzentrum im Sturm. «Napoli ist die klar beste Mannschaft in der Serie A», sagt Dzemaili.

Am Sonntag spielt Lazio Rom um 12.30 Uhr in Mailand gegen Inter. Wenn Lazio nicht gewinnt, hat Napoli um 15 Uhr die Chance, sich schon sechs Runden vor Schluss den Titel zu sichern. Dafür braucht es einen Sieg gegen das bescheidene Salernitana. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was dann in der Stadt los sein wird.
Der ganze SVP Scheisshaufen ist die Bremsspur im Schlüpfer von Helvetia. (Zhyrus, 2023)

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laissa
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Re: Serie A

Beitragvon laissa » 04.05.23 @ 22:57

Grande Napoli!!! auguri


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