Beitragvon gecko » 16.07.11 @ 9:48
Tagi: Sa. 16. Juli 2011
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Canepa: «Bis 4000 Zuschauer mehr als im Letzigrund sind möglich»
FCZ und GC halten die Mehrkosten im neuen Stadion für verkraftbar – wenn sie dort genug Geld verdienen.
Von Peter Bühler, Patrick Kühnis und Thomas Schifferle
Zürich – Stehplätze, separate Fanblöcke und sogar zwei verschiedene Stadionbars: Mit den überarbeiteten Plänen für den neuen Hardturm geht die Stadt Zürich nicht nur auf die Anliegen der Anwohner ein, sondern erfüllt auch alle Wünsche von FC Zürich, Grasshoppers und deren Anhänger. Das hat seinen Preis: Auf geschätzte 150 Millionen Franken – mit einer möglichen Abweichung von 20 Prozent – veranschlagt das Hochbaudepartement nun die Baukosten für das neue Rund, 15 Millionen mehr als bisher (TA von gestern).
Mit dem Ersatz für den ungeliebten Letzigrund kommen aber auch weit höhere finanzielle Belastungen auf die beiden Zürcher Fussballklubs zu. Laut Businessplan schlägt allein die Miete für FCZ und GC mit je 1,5 bis 3 Millionen Franken jährlich zu Buche. Hinzu kommt eine Kostenbeteiligung von 800 000 bis 1,4 Millionen Franken an den Polizeieinsätzen vor dem Stadion. Das ist deutlich mehr als in der heute anlaufenden Saison, in der die Klubs für LetzigrundMiete und Polizei knapp 1 Million bezahlen – exklusive Europacup.
Die aktuellen Ansätze wurden mit dem Stadtrat vereinbart, als GC letzte Saison in die Krise schlitterte und später auch der andere Stadtklub aufbegehrte. Trotzdem ist FCZ-Präsident Ancillo Canepa «nur bedingt» glücklich, denn die finanziellen Zugeständnisse der Stadt bei der Letzigrund-Miete würden durch die höheren Polizeikosten zunichte gemacht: «Es ist ein Nullsummenspiel.»
Verteilschlüssel noch nicht fix
Obwohl die Klubs jetzt schon leise ächzen, schocken die wesentlich höheren Miet- und Polizeikosten im neuen Hardturm den FCZ-Präsidenten nicht. Die Zahlen des Businessplans sind laut Canepa «nicht in Stein gemeisselt». Das Stadion werde erst 2017 eröffnet, bis dahin werde noch viel passieren. Entscheidend für ihn sei ohnehin, dass der FCZ dort zwar mehr bezahlen müsse, aber auch wesentlich höhere Einnahmen generieren könne.
Canepa plädiert dafür, dass der FCZ und GC das Stadion selber vermarkten, um mit Catering und VIP-Logen mehr Geld zu verdienen. Zudem rechnet er mit deutlich höheren Zuschauerzahlen und damit mit mehr Einnahmen aus dem Ticket- und Saisonkartenverkauf. «3000 bis 4000 mehr Leute pro Spiel als jetzt im Letzigrund halte ich für möglich», sagt er. Letzte Saison kamen im Schnitt 11 750 Besucher zu den FCZHeimspielen. Canepas Fazit: «Wenn wir mehr Geld aus all diesen Quellen einnehmen, können wir auch mehr für die Miete und die Sicherheitskosten bezahlen als bisher.»
Im Gegensatz zum FCZ hält sich der wirtschaftlich schwächer aufgestellte Stadtrivale bedeckt, was die Mehrbelastung im neuen Stadion angeht. Am Rande der Medienkonferenz vom Donnerstag sagte GC-Chef Marcel Meier noch, alle Seiten seien sich einig, dass es für die künftigen Fixkosten ein «erfolgsabhängiges Modell» geben müsse. Gestern fand er, es sei noch viel zu früh, über den Kostenschlüssel zu diskutieren. «Das ist Gegenstand späterer Verhandlungen.» GC könne aber sicher die 2,5 Millionen aufbringen, die der Klub zu den Investitionskosten beizusteuern habe. «Wir sind fähig, das zu bezahlen.» Klar ist: Die Stadt wird sich nach dem Bezug des Hardturms nicht mit der Rolle der spendablen Gönnerin zufrieden geben, die ein jährliches Stadiondefizit von 5,2 bis 7,2 Millionen Franken zu tragen hat, aber alle Profite aus dem Betrieb den Klubs überlässt. Das liessen am Donnerstag mehrere Stadträte durchblicken.
Kommt hinzu, dass die öffentliche Hand noch den Letzigrund zu betreiben hat. Dort gebe es wieder Kapazitäten für vier Grossanlässe wie das Bon-Jovi-Konzert sowie weitere «mittlere Anlässe», wenn der Fussball ausziehe, sagt Urs Spinner vom Hochbaudepartement. Das Stadion werde auch vermehrt von den Athleten des Leichtathletik-Clubs Zürich genutzt. Wie sich das finanziell auswirkt, verrät die Stadt noch nicht. Der Letzigrund-Businessplan ab 2017 ist laut Spinner «in Arbeit» und eile nicht.
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Frage des Bodenbelags noch offen
Bekommt der neue Hardturm einen Kunstrasen wie die Stadien in Bern, Neuenburg und neuerdings auch Thun? Oder spielen der FC Zürich und die Grasshoppers wie im Letzigrund auf natürlichem Grün? Diese Frage ist laut der Stadt noch offen. «Die beiden Klubs – vor allem der FCZ – wünschen Naturrasen», sagt Urs Spinner vom Hochbaudepartement. Die Fifa hingegen plädiere für einen Kunstrasen, was aber keine Bedingung für deren 20-Millionen-Beteiligung am Stadion sei. Die Stadt selbst hält sich in der Frage bedeckt. Die Fifa hat aber schon in einem anderen wichtigen Punkt dem Drängen von Klubs und Fans nachgegeben: Sie verlangte ursprünglich ein reines Sitzplatzstadion. Den Beweis, dass sie die Rasenpflege trotz Doppelbelastung im Griff haben, haben die Zürcher Greenkeeper letzten Winter jedenfalls erbracht: Als die Spiele in Thun, Sitten und Bellinzona zu Schlammschlachten wurden, präsentierte sich das Grün des Letzigrund tadellos.
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Am Spieltag 2000 Parkplätze
Ein Viertel der Plätze beim Stadion
«Autofreier Profifussballsport – geht das?», fragte sich SVP-Gemeinderat Roger Liebi, als er sah, dass die Stadt für den neuen Hardturm nur 100 oberirdische und 370 unterirdische Parkplätze plant. Diese Zahl sei weit geringer als bei den Stadien von Luzern (1800) oder St. Gallen (3000) und schlage wohl auch auf die Auslastung. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Zwar ist es richtig, dass sich die Stadt beim Stadionbau fast am gesetzlichen Minimum von 350 Parkplätzen orientiert. Doch Grossveranstaltungen wie Fussballpartien verlangen ein Verkehrs- und Parkierungskonzept, an das sich auch die künftigen Stadionbetreiber halten müssen. Aus Sicht der Stadt sollen an einem Spieltag maximal 2000 Parkplätze zur Verfügung stehen. Dafür könne man – wie beim früheren Hardturm – auf Parkplätze in unmittelbarer Nähe bei der Migros, im Engrosmarkt und in Parkhäusern zurückgreifen. «Die Kapazitäten des ÖV genügen aber, um das Stadion zu füllen.»