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chnobli
Verlorener Sohn
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Re: Medien

Beitragvon chnobli » 18.01.23 @ 8:11

Krönu hat geschrieben:https://www.watson.ch/schweiz/sport/313160182-fcz-frauen-nicht-beim-brunch-des-vereins-dabei

Was für ein mieser, polemischer und tendenziöser Artikel. Man kann Frauenfeindlichkeit auch auf Biegen und Brechen suchen...


Watson für journalistische Zwecke zu nutzen ist wie nach dem Kacken Schleif- anstatt WC Papier zu nehmen.

Die Spassartikel sind top, die Kommentare teilweise lustig, aber den Rest kannst du zu 95% in die Tonne treten, wie auch diesen Artikel.
s'Efeu hat geschrieben:
Wänn nöd maximal blöd tuesch, häsch nöd gläbt



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Nonda14
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Re: Medien

Beitragvon Nonda14 » 18.01.23 @ 13:01

Raz hat am Dienstag Bo interviewt, bin gespannt...

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Shorunmu
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Re: Medien

Beitragvon Shorunmu » 18.01.23 @ 13:10

chnobli hat geschrieben:
Krönu hat geschrieben:https://www.watson.ch/schweiz/sport/313160182-fcz-frauen-nicht-beim-brunch-des-vereins-dabei

Was für ein mieser, polemischer und tendenziöser Artikel. Man kann Frauenfeindlichkeit auch auf Biegen und Brechen suchen...


Watson für journalistische Zwecke zu nutzen ist wie nach dem Kacken Schleif- anstatt WC Papier zu nehmen.

Die Spassartikel sind top, die Kommentare teilweise lustig, aber den Rest kannst du zu 95% in die Tonne treten, wie auch diesen Artikel.


Undank ist der Welten Lohn

Zudem sind sie gar nicht bei der Betriebsgesellschaft FCZ AG angestellt. Profitieren aber enorm von dieser.
gelbeseite hat geschrieben:Wem unfertiger Wein schmeckt (mit allem Respekt, aber pfui) soll sonst mal das Poulet 20min zu früh aus dem Ofen nehmen oder die Kartoffeln 15 Minuten zu früh aus dem Wasser. Etwa das selbe Erlebnis und nicht mal teurer als das fertige Produkt.

Nonda14
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Re: Medien

Beitragvon Nonda14 » 21.01.23 @ 9:30

NZZ:

Alles anders als vor einem Jahr – und doch sind beim Meister und Tabellenletzten FC Zürich ähnliche Aussagen zu hören
Der kriselnde FCZ hat in der Winterpause Veränderungen am Kader vorgenommen. Doch es gibt auch vor dem Start in die zweite Hälfte der Saison Brennpunkte. Yanick Brecher, der Captain und Stammtorhüter, fällt wochenlang verletzt aus.

Fabian Ruch
21.01.2023, 05.30 Uhr

Der Trainer Bo Henriksen sagt, er kenne sein Team nun besser, der FCZ wolle offensiv auftreten, mit Selbstvertrauen, Energie und Leidenschaft.
Ennio Leanza / Keystone
Vor einem Jahr sagte der FCZ-Präsident Ancillo Canepa in einem NZZ-Interview, YB und der FC Basel seien die Favoriten auf den Meistertitel: «Vergessen Sie nicht, woher wir kommen!» Damals lag der FC Zürich, vor dem Start der Rückrunde, sieben Punkte vor Basel und acht Punkte vor YB. Beim überraschenden Leader war man sehr bemüht, die Tabelle zu ignorieren und «Spiel für Spiel» zu nehmen.

Der FCZ ignorierte im Frühling 2022 die Tabelle erfolgreich, er gewann Spiel für Spiel und feierte am 1. Mai in Basel vorzeitig den Meistertitel. Das Märchen bekam jedoch bald Risse. Etwa als der Trainer André Breitenreiter zu Hoffenheim wechselte, wenige Tage nachdem er intern versichert haben soll, kein Angebot aus der Bundesliga vorliegen zu haben.

Der FCZ leistete sich im Sommer mit dem Trainer Franco Foda einen Fehlgriff. Der Klub irritierte in der Vorrunde mit schwachen Leistungen, stürzte ab und trennte sich nach einigen Wochen (und doch zu spät) von Foda.

Zwei neue Stürmer als Hoffnungsträger in der Offensive
Man hat beinahe vergessen, woher der FCZ kommt. Anfang 2023 findet er sich am Tabellenende wieder, vier Punkte hinter dem Aufsteiger Winterthur. Am Donnerstag gaben Canepa und der Sportchef Marinko Jurendic im «Home of FCZ» im Heerenschürli Auskunft. Vor einem Jahr sass Breitenreiter neben ihnen, diesmal komplettierte Fodas Nachfolger Bo Henriksen das FCZ-Führungstrio.

Und obwohl die Ausgangslage ganz anders ist, sind ähnliche Voten wie vor zwölf Monaten zu vernehmen: die Tabelle ignorieren, Spiel für Spiel nehmen. Der Präsident betont, wie schwierig es in der Vorrunde gewesen sei angesichts des strengen Programms. Der Sportchef spricht davon, das Kader optimiert zu haben. Der Trainer sagt, er kenne sein Team nun besser, der FCZ wolle offensiv auftreten, mit Selbstvertrauen, Energie und Leidenschaft.

In der langen Winterpause hat der FCZ auf die schwache Torausbeute mit nur 13 Treffern aus 16 Partien reagiert. Aus Salzburg stiess leihweise der 19-jährige Kroate Roko Simic zum Team. Und aus Ghana kam der 21-jährige Daniel Afriyie, der im WM-Kader seines Heimatlandes stand, ohne dass er in Katar eingesetzt wurde.

Wochenlang verzichten muss der FCZ auf den Captain und Stammtorhüter Yanick Brecher, der mit einer Knieverletzung ausfällt. Zivko Kostadinovic wird während dessen Abwesenheit im Tor stehen, die Klublegende Blerim Dzemaili in seinem vermutlich letzten Halbjahr als Profi die Captainbinde tragen.

Becir Omeragic verlängert seinen Vertrag nicht
Für Unruhe sorgt der Vertrag des Abwehrtalents Becir Omeragic. Er hätte im letzten Sommer verkauft werden sollen, wegen einer Verletzung fehlte es aber an Interessenten. Canepa hatte von einer Ablösesumme von zehn Millionen Franken geträumt.

Deshalb droht dem FCZ erneut, dass er einen begabten Spieler ablösefrei verliert. Omeragic hat sich entschieden, den Ende Saison auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Ärgerlich und enttäuschend sei das, sagen Canepa und Jurendic. Sie sprechen von einer komplizierten Situation, nachdem beim Spieler mehrmals der Berater gewechselt hat.

Vielleicht findet sich in diesem Transferfenster noch ein Klub, der wenigstens eine geringe Ablösesumme bezahlt. Wenn nicht, wird Omeragic, seit Freitag 21 Jahre alt, die Saison in Zürich beenden. Bestrafen und auf die Tribüne setzen will der FCZ den Nationalspieler nicht. Omeragic ist für die U-21-EM im Sommer eingeplant als Leader des Schweizer Teams.

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johnny
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Re: Medien

Beitragvon johnny » 21.01.23 @ 9:33

Tagi 21.01.23, Florian Raz
«Dann heisst es schnell: Der ist ein wenig einfältig»
Bo Henriksen erklärt, was Fussballprofis mit seinem kleinen Sohn gemein haben. Und wie er davon profitiert, dass er selbst nur ein durchschnittlicher Spieler gewesen ist.
Ihre Frau und zwei Ihrer drei Söhne sind über die Feiertage zu Ihnen in die Schweiz gezogen. Worauf haben Sie Ihre Familie eingestimmt?
Ich versuche, es ihnen als eine Art Geschenk zu verkaufen. Ich bin einerseits nach Zürich gekommen, weil ich wusste, dass das hier eine tolle Umgebung für meine Familie ist. Aber es ist auch wichtig, dass du dich in Situationen begibst, in denen du dich ein wenig unsicher fühlst. Das sind die Momente, in denen du dich selber besser kennen lernst.
Sie selber haben diese Unsicherheit zumindest in Bezug auf Ihr Metier nicht gesucht. Sie waren erst Profi, jetzt sind sie Trainer. Warum immer Fussball?
Puh! Das ist eine fantastische Frage. Es hätte mich auch in andere Bereiche ziehen können. Aber als ich jung war, war ich wirklich sehr gut im Fussball. Ich war grossartig, als ich acht Jahre alt war. (lacht)
Ich meine mich zu erinnern, dass ich damals auch sehr gut war.
Sehen Sie, wir haben uns besser gefühlt, als wir noch jünger waren! Als Junge habe ich natürlich davon geträumt, dass ich der beste Fussballer der Welt werde. Wie wir alle. Aber ich habe mich nicht getraut, den Weg zu Ende zu gehen. Ich bekam Angst davor, die beste Version von mir selbst zu werden.
Wer oder was hat Ihnen Angst gemacht?
Ich denke, es war die Angst davor, enttäuscht zu werden, wenn ich mir zu hohe Ziele setze. Ich war es selber – und es war die Gesellschaft. In Dänemark gibt es das Janteloven, das Gesetz von Jante. Du darfst nicht denken, dass du grösser oder besser bist als alle anderen. Alle müssen gleich sein, niemand darf herausragen.
Herzlich willkommen in der Schweiz!
Es ist hier vermutlich ähnlich. Ich bekam Angst vor meinen Träumen. Ich hatte Angst davor, zu versagen. Aber wie ist es im Leben? Du begehst oft exakt die Fehler, vor denen du die meiste Angst hast. Genau das ist meine grösste Aufgabe als Trainer: dafür zu sorgen, dass die Spieler keine Angst haben, sondern sich sicher und wohlfühlen. Wir alle sind besser, wenn wir uns wohlfühlen. Mir gelang das als Fussballer nicht – also wurde ich ein sehr durchschnittlicher Profi.
Aber Sie haben das Spiel nicht verlassen.
Als wir den dänischen Meistertitel gewannen, wollte der Trainer den Vertrag mit mir verlängern, obwohl ich nur sehr selten gespielt hatte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er: «Du machst, dass sich alle in der Kabine gut fühlen.» Da habe ich gemerkt, dass ich – zumindest meiner Meinung nach – ein sehr guter Anführer bin. Ich weiss, wie ich mit Menschen umgehen muss. Und ich weiss, wie es ist, wenn man Angst davor hat, man selber zu sein. Das ist doch die grösste Herausforderung. Ich habe jetzt einen Spieler im Kader, der ist 17 (Calixte Ligue). 17! Und dann spielt er vor 15’000 Zuschauern.
Wie nehmen Sie ihm die Angst?
Er muss wissen, dass es egal ist, wie viele Fehler er macht. Ich werde ihn trotzdem gern haben. Solange er sein Bestes gibt, nehme ich alle Schuld auf mich. Mir hat das damals keiner gesagt: dass es okay ist, Fehler zu machen. Wir kreieren leider eine Kultur, in der Fehler nicht akzeptiert werden. Im Fussball besonders – aber zum Beispiel auch in der Schule. Dabei müssen wir bereit sein, hundert Fehler zu machen, wenn wir gewinnen wollen.
Sie hätten als Spieler also gerne einen Trainer gehabt, wie Sie jetzt einer sind.
Ein Grund, warum ich im Fussball geblieben bin: Ich habe als Spieler einige schlechte Trainer erlebt. Ich habe viele schlechte Anführer gesehen. Viel Negativität. Fussball muss doch Spass machen. Ich weiss, dass ich als Trainer keine Angst mehr davor habe, Fehler zu begehen. Ich habe meine Lehren aus meinem Leben als durchschnittlicher Fussballer gezogen. Um auf Ihre ursprüngliche Frage zu antworten: Ich hätte ein Leader in vielen anderen Bereichen werden können. Mir geht es um Menschen, darum, wie du mit ihnen umgehst. Darum, wie du es schaffst, sie an etwas glauben zu lassen.
Als Sie erstmals die Garderobe des FCZ betraten: Sass da ein Team, das Angst vor Fehlern hatte? Oder eines, das einfach nicht mehr daran glaubte, dass es gewinnen kann?
Das ist dasselbe. Die Spieler lebten als Meister in einer Kultur des Gewinnens – und plötzlich ist alles anders. Ich habe das selber als Fussballer erlebt. Wir sind in der Saison nach unserem Meistertitel abgestiegen. Natürlich wirst du da unsicher. Ich bin in Zürich auf eine Gruppe getroffen, die Probleme hatte. Der Druck war verrückt, es wurde jeden dritten Tag gespielt. Und wenn du mal Angst hast, dann wirkt sich das auch körperlich aus: auf die Atmung, auf die Laufleistung – auf alles. Sie haben sich schlecht gefühlt. Das zu ändern, war meine grösste Aufgabe.
Haben Sie sich in der Garderobe nach einem Bo Henriksen umgeschaut?
Wir sind damals abgestiegen, obwohl ich in der Kabine war. So ausserordentlich war ich also auch nicht. Was ich in Zürich tun musste: Ich musste die Gruppe wieder zusammenführen. Es ist wahnsinnig einfach, wenn du gewinnst. Alle mögen sich, alle sind zufrieden. Es ist wie in einer Ehe: Die kleinen Dinge werden erst wichtig, wenn es nicht mehr so gut läuft. Dann werden winzige Probleme plötzlich riesengross.
Ich habe doch gesagt, dass du die Spülmaschine ausräumen sollst!
In einer Mannschaft ist es genau gleich. Es gibt im Leben nichts Schwierigeres, als die Dinge zum Guten zu verändern, wenn es richtig schlecht läuft. Ich habe hier Spieler gesehen, die getan haben, was sie konnten. Auf dem Platz und daneben. Sie haben verschiedenste Dinge unternommen, um sich als Team zu finden. Aber sie haben den Schlüssel nicht gefunden. Weil sie Angst hatten.
Und Sie haben den Schlüssel?
Ich übernehme die Verantwortung. Wenn die Spieler nicht hart arbeiten wollen, dann finde ich andere. Aber wenn sie rausgehen und alles geben, bin ich schuld, wenn etwas schiefläuft. Schwierig ist, dass der Mensch die Dinge spüren muss, um sie zu glauben. Ich kann lange reden – und Sie merken gerade, dass ich das kann. (lacht) Aber wenn ich meinem Fünfjährigen sage, dass die Herdplatte heiss ist, fasst er sie trotzdem an. Er muss es selbst erfahren. Also müssen meine Spieler Erfolgserlebnisse erleben, um wieder an sich zu glauben. Die haben wir uns im Training geholt, bei den Unentschieden gegen die Young Boys und Basel – und vor allem bei den Siegen über Bodö und Servette.
In Dänemark werden Sie als guter Motivator beschrieben. Und weniger als Taktikfuchs. Ist das ungerecht?
Das ist mir wirklich egal. Ich bin seit 16 Jahren Trainer. In jeder dieser Saisons stand mein Team in der Rangliste besser da, als es das gemäss Finanzkraft hätte tun sollen. Im Golf würde man sagen: Ich habe immer unter Par gespielt. Das kann kein Zufall sein. Ich glaube nicht an Glück. Ich glaube an Menschen und harte Arbeit. Wenn du in Dänemark lächelst, heisst es schnell: Der ist ein wenig einfältig. Und wenn du gut mit Menschen umgehen kannst: Der ist nicht ernsthaft genug. Ich finde, es ist sehr wichtig, über sich selber lachen zu können. Wenn du das kannst, kommst du Menschen schneller näher.
Es gibt dänische Trainer, die Ihre Mannschaft darüber abstimmen lassen, wie gespielt wird. Sie auch?
Ganz so mache ich es nicht. Ich gebe aber auch nicht alles autoritär vor. Mir ist sehr wichtig, dass die Spieler wissen, dass der Trainer nicht mitspielen kann. Als junger Coach dachte ich manchmal, ich sei so clever, dass ich die Matches an der Taktiktafel gewinnen kann.
Und das geht nicht?
Du kannst ein paar Prozente herausholen. Es gibt viele Daten, um die Spieler bestmöglich vorzubereiten. Aber meine ersten Fragen an die Spieler hier in Zürich lauteten: «Wie kann ich euch helfen? Wie soll ich mit euch umgehen, damit ihr wieder stark werdet?» Die Differenz zwischen einzelnen Trainern auf der taktischen Ebene macht vielleicht zwei bis fünf Prozent aus. Viel wichtiger ist, wie ich mit meinen Spielern umgehe. Und wenn sie sich mit meinem taktischen Plan nicht wohlfühlen, bin ich sowieso geliefert. Also rede ich mit den Spielern, um zu wissen, wo sie stehen. Jetzt geht es zum Beispiel darum, ob sie das Gefühl haben, dass sie Tabellenletzter sind – oder amtierender Meister.
Was, wenn sie sich als Meister fühlen?
Dann haben wir ein kleineres Problem.
Wenn Sie mit den Spielern über den drohenden Abstieg sprechen, wächst dann nicht die Angst davor?
Aber das ist die Realität! Wenn wir uns nicht trauen, schwierige Dinge anzusprechen, dann schleichen sie sich langsam an. Und dann – bumm – treten sie ein. So ist das Leben. Natürlich rede ich mit den Spielern darüber. Gerade heute habe ich ihnen gesagt: Wir sind im Abstiegskampf. Aber wir werden ihn annehmen.
Heute fühle ich mich als Katarer. Heute fühle ich mich als Araber. Heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert. Heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.

Nonda14
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Re: Medien

Beitragvon Nonda14 » 21.01.23 @ 9:34

NZZ zum 2ten:

INTERVIEW
Der FCZ-Spielmacher Antonio Marchesano sagt: «Es gab schwere Gedanken, weil man irgendwann den Glauben daran verliert, dass es besser wird»
Nach einer Vorrunde zum Vergessen will sich der FC Zürich rehabilitieren. Antonio Marchesano spricht über das verrückte FCZ-Jahr 2022, seinen unerfüllten Traum vom Schweizer Nationalteam und darüber, warum er erst so spät den Durchbruch schaffte.

Fabian Ruch, Zürich
21.01.2023, 05.30 Uhr

Antonio Marchesano sagt: «Ich habe noch einige gute Saisons in mir, zumal mir der Durchbruch erst spät gelang.»
Goran Basic / NZZ

Mehr als zwei Monate Winterpause: Wie war das für Sie?

Ungewohnt. Ich habe die Zeit auch dazu genutzt, mit der Familie im Tessin zu entspannen und über das letzte Jahr nachzudenken. Dieser lange Unterbruch war wichtig für den Kopf.

Welches Wort passt zum Jahr 2022 des FC Zürich?

Verrückt!

Beginnen wir ganz vorne. Wie war die Stimmung im Klub vor genau einem Jahr?

Es war ganz anders als heute. Wir waren sensationell souveräner Leader in der Super League, die Ambiance im Klub war überragend, wir waren in einem tollen Flow. Alles passte zusammen, ich habe jeden Tag genossen. Und wie wir dann im Mai in Basel gegen den FCB den Titel gewannen, das war grossartig.

Gewöhnliche Saisons scheint es beim FCZ nicht mehr zu geben.

Es wird zumindest nicht langweilig mit uns. Vorher hatten wir mehrere Saisons unter den Erwartungen gespielt, kämpften sogar gegen den Abstieg, dann kam diese Leistungsexplosion, das ist auch für uns Fussballer nicht einfach zu verarbeiten. Aber wissen Sie was? Ich würde das letzte Jahr niemals eintauschen gegen zwei normale Saisons im Mittelfeld der Tabelle. Wir werden uns das ganze Leben lang an diesen Meistertitel und die wunderschönen Emotionen erinnern.

Was ist denn überraschender: der Meistertitel des FCZ oder nun der letzte Tabellenplatz?

Ich muss zugeben, dass der Titelgewinn schon sehr unerwartet kam und wie ein Märchen war, nachdem wir anfänglich in den Medien als Abstiegskandidat gehandelt worden waren.

Was lief in der jetzigen Saison schief?

Die Leute unterschätzen, wie streng das Programm für uns war. Es gab monatelang fast nur englische Wochen mit Spielen alle drei, vier Tage und vielen Flügen quer durch Europa. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, zumal wir auch noch einen neuen Trainer hatten. Wenn es dann nicht läuft, befindet man sich bald in einem Teufelskreis, aus dem man fast nicht mehr herauskommt.

Hatten der Klub und die Spieler diese Herausforderung unterschätzt?

Wie hätten wir aus eigener Erfahrung wissen sollen, was uns erwartet? Ich fand es teilweise streng, wie wir beurteilt wurden. Es gab keinen Trainingsrhythmus, wir gerieten in eine Krise, spielten schlecht, hatten kein Selbstvertrauen mehr.

Nachdem der Meistertrainer André Breitenreiter den Klub verlassen hatte, leistete sich der FCZ im letzten Sommer mit Franco Foda einen Fehlgriff. Wann spürten Sie, dass es mit Foda nicht gutgehen kann?

Es war schon zu Beginn nicht einfach, bereits in der ersten Woche spürte man das. Wir hatten eine sensationelle Beziehung zu André Breitenreiter. Das ist, wie wenn man mit einer tollen Frau zusammen war und dann eine neue Freundin hat. Da vergleicht man auch die ganze Zeit.

Also hatte Foda gar keine echte Chance?

Er ist ein total anderer Typ als Breitenreiter, der uns in vielen Gesprächen immer das Gefühl gegeben hatte, dass er uns vertraut und uns mag. Fussballer sind keine Roboter. Bei Franco Foda wussten wir nie so genau, wo wir stehen und was wir machen sollen.

Foda wurde früh stark kritisiert. Hat der FCZ nicht zu lange mit der Freistellung des Trainers gewartet?

Es ist nicht an mir, das zu beurteilen. Was ich sagen kann: Wir spielten stets dreimal in der Woche, es gab keine Pausen, wir hofften ständig auf den Befreiungsschlag, spielten teilweise ordentlich, verloren unglücklich. Im Nachhinein ist es immer einfacher, eine Situation zu beurteilen.

Über eine Szene müssen wir dennoch sprechen. Erstes Saisonspiel Mitte Juli in Bern gegen YB: Der FCZ spielt gut, beim Stand von 0:0 schiessen Sie nach der Pause einen Penalty über das Tor, die Young Boys gewinnen 4:0. Auch der FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagt, womöglich wäre vieles anders gekommen, wenn dieser Elfmeter nicht verschossen worden wäre.

Dieser Fehlschuss hat mich lange beschäftigt. Ich würde gerne noch einmal schiessen, diesmal würde ich es wahrscheinlich flach versuchen. Bei einem Sieg auswärts gegen YB wären wir nicht sofort unter Druck gestanden, aber ein Schuss entscheidet nicht über ein halbes Jahr. Es war kein Zufall, dass wir Meister wurden, und es ist kein Zufall, dass wir nun Letzter sind. Wir haben auf allen Ebenen nicht nach unseren Vorstellungen gearbeitet.

Auch Sie erleben eine enttäuschende Saison mit erst einem Tor und einem Assist in der Liga. Der Trainer Foda setzte Sie oft auf die Bank. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich erreichte in dieser Saison nie mein Niveau. Der Trainerwechsel im Sommer war auch für mich kompliziert. Einer der schwierigsten Momente war, als ich gegen den FC Sion auf der Bank sass und es zu Unklarheiten kam, wie wir denn nun wechseln sollen. Da war ich entsprechend wütend und enttäuscht.

Wir erinnern uns an ein Gespräch mit Ihnen nach dem Ausscheiden im Cup beim Challenge-League-Klub Lausanne, als Sie von uns Journalisten sehr genervt waren und traurig wirkten.

Was erwarten Sie denn nach so einer bitteren Niederlage? Das war in einer brutalen Phase, in der wir immer wieder in den letzten Minuten ein Gegentor erhielten und verloren. Das nagt an einem.

Sie gelten als Künstler, als sensibel. Sind Sie das?

Die Krise mit dem FCZ hat mich auf jeden Fall berührt, ich bin seit mehr als sechs Jahren im Klub. So etwas hatte ich nie erlebt. Es gab schwere Gedanken, weil man irgendwann den Glauben daran verliert, dass es besser wird. Der Trainerwechsel zu Bo Henriksen hat die Stimmung zum Glück wieder verändert.

Wie schwierig ist es für einen Fussballer, wenn er innerhalb weniger Monate mit drei sehr unterschiedlichen Trainern zu tun hat?

Man passt sich an, Franco Foda blieb ja nicht lange. Mit Bo Henriksen haben wir nun einen emotionalen, motivierenden Trainer, man spürt seinen Willen und die Leidenschaft, er stärkt uns. Und ich merke, dass er mir Verantwortung gibt. Ich bin ein Leader beim FCZ und ein erfahrener Spieler, der Tore schiessen kann. Das verlangt der Trainer von mir.

Im Frühling und im Sommer 2022 standen Sie zweimal sogar auf der Pikettliste für das Schweizer Nationalteam, wurden aber vom Trainer Murat Yakin nie aufgeboten. Wie sehr hat das geschmerzt?

Der Trainer hat leider nie mit mir gesprochen. Ich hatte mir schon erhofft, eine Chance zu bekommen. Es gab ja auch Zeitungen, die schrieben, dass ich nach starken Leistungen ein Aufgebot verdient hätte. Nun ist dieser Traum vorbei, ich wurde diese Woche 32 Jahre alt.

Dabei wären Sie ein Spielertyp, wie ihn die Schweiz sonst nicht hat.

Das Nationalteam spielt ohne klaren Zehner, doch ich kann auch weiter hinten im Mittelfeld oder als zweiter Stürmer spielen. In den letzten zwei Saisons gelangen mir in der Super League jeweils 13 Tore und 6 Assists, das sind Werte, wie sie nicht viele offensive Mittelfeldspieler aufweisen. Aber mir ist klar, dass es viele starke Schweizer Fussballer gibt, die im Ausland spielen.

Man weiss von Ihnen, dass die Italiener Roberto Baggio, Alessandro Del Piero und Francesco Totti Vorbilder sind. Warum?

Das waren alles wunderbare Spielmacher, die ich als Bub im Tessin genau verfolgte. Leider gibt es heute kaum noch solche Zehner. In der Super League ist vielleicht Luzerns Samuele Campo auch so ein Spielertyp.

Haben Sie Verständnis dafür, dass die Trainer im modernen, hochintensiven Fussball kaum noch auf Freigeister setzen?

Das kommt auf den Spieler an. Es heisst oft, ein Zehner sei defensiv schwach. Das war vielleicht früher so. Ich bin fleissig, kann mich adaptieren, wenn ich in einer anderen Rolle spiele.

Ihre Karriere verlief lange Zeit wechselhaft, Ihre Klubs Bellinzona und Biel gingen Konkurs. Warum waren Sie ein Spätzünder und setzten sich erst mit 26, 27 Jahren durch?

Vielleicht war ich vorher nicht gut genug und zu wenig robust, zudem fehlte das Glück. Man braucht Trainer, die auf einen setzen. Es war wichtig, verliess ich das Tessin und meine Komfortzone.

Und was erwarten Sie von Ihren letzten Jahren als Profi? Wäre das Ausland reizvoll?

Mein Vertrag beim FCZ läuft bis ins Jahr 2024, ich habe noch einige gute Saisons in mir, zumal mir der Durchbruch erst spät gelang. Es gab ab und zu Angebote aus Ländern wie der Türkei oder Zypern, aber das müsste finanziell schon sehr reizvoll sein, damit ich mit der Familie, mit zwei kleinen Kindern, dorthin ginge.

Viele Tore und Assists für den FC Zürich
fcr. · Antonio Marchesano spielt seit 2016 für den FC Zürich. In 216 Pflichtspielen für den Klub gelangen dem technisch starken Mittelfeldspieler 102 Skorerpunkte (51 Tore, 51 Assists). Er traf unter anderem nach einem feinen Sololauf im Cup-Final 2018 gegen YB (2:1). Der Tessiner trägt die Rückennummer 10 und spielte früher bei Locarno, Bellinzona, Winterthur und Biel, ehe er relativ spät den Durchbruch in der Super League schaffte. Der 32-Jährige lässt sich als Trainer ausbilden und hat ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium.

Nonda14
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Re: Medien

Beitragvon Nonda14 » 21.01.23 @ 10:05

Luzerner Zeitung:

FC Zürich: Trainer Bo Henriksen im Interview
INTERVIEW
FCZ-Trainer Bo Henriksen arbeitet datenbasiert, sagt aber: «Zu 90 Prozent entscheidet der Kopf»
Die Schweiz kennt Bo Henriksen seit jüngster Kindheit, den FC Zürich hat er in den letzten drei Monaten kennengelernt – und schwärmt: «Der Klub ist umgeben von emotionalen Menschen.» Im Interview erklärt der FCZ-Trainer, wie er den Meister vor dem Abstieg bewahren will und wie wichtig Datenanalyse im Fussball wirklich ist.

Stefan Wyss
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20.01.2023, 17.00 Uhr
Exklusiv für Abonnenten


Zuerst den Abstieg verhindern, dann von Europa träumen: Bo Henriksen will auch beim FCZ die geforderten Resultate übertreffen. (Zürich, 19.01.2023)
Ennio Leanza / KEYSTONE
Als Sie im Oktober Trainer wurden im FC Zürich, kannte Sie in der Schweiz fast niemand. Wie war es umgekehrt?

Bo Henriksen: Ich kannte die Schweiz ziemlich gut. Eine Tante von mir lebte hier, in der Nähe von Frauenfeld. Ich habe drei Cousins, die in der Schweiz leben. In meiner Kindheit und Jugend war ich oft hier in den Ferien.

Haben Sie auch gewusst, was Sie fussballerisch hier erwartet?

Auch den Schweizer Fussball habe ich gekannt. Mit meinen Cousins redete ich oft darüber. In den Achtziger- und Neunzigerjahren stand die Schweiz etwas hinter Dänemark. Seither haben die Schweizer aufgeholt. Die Nationalmannschaft ist stark, sie ist die Lokomotive. Auf Klubebene ist die Schweiz mit Dänemark vergleichbar.

Die beiden Länder sind ähnlich gross, haben von der Bevölkerungszahl her die gleichen Voraussetzungen. Fussballerisch verbindet sie die taktische Variabilität in der Ausbildung. Was ich dann vor Ort angetroffen habe, hat mich bestärkt in der Meinung, den richtigen Entscheid getroffen zu haben.

Erzählen Sie.

Ich denke, der FCZ hat ein gutes Scouting betrieben, dass er mich geholt hat. (lacht) Ich bin ein Familienmensch, deshalb passe ich in diesen Klub. Er ist geerdet, hat Visionen und es wird hart gearbeitet. Ich habe Gefühle und Emotionen. Ich lache gerne und gebe mich gerne mit Menschen ab. Das ist meine Art. Und so ist auch der Klub, umgeben von emotionalen Menschen.

Wie haben Sie das in den ersten drei Monaten gespürt.

Ich wusste, dass der FCZ in der Schweiz ein grosser Klub ist. Aber dass die Begeisterung so gross sein würde, hat mich überrascht. Die Leute standen vor dem Klubmuseum mehrere Hundert Meter Schlange, um hineinzukommen, als wir da Autogramme schrieben. Ich habe viel Respekt für die Kraft, welche von dieser Passion ausgeht.

Zur Person
Bei Midtjylland entlassen nach Platz 2 und Cupsieg
Der 47-jährige Bo Henriksen wurde im Oktober Nachfolger des glücklosen Franco Foda als Trainer des FC Zürich. Wenige Wochen zuvor war er bei Midtjylland entlassen worden, nachdem er mit dem Klub letzte Saison Zweiter und Cupsieger geworden war. Als Fussballer war er durchschnittlich talentiert, wurde trotzdem «Bomber Bo» genannt und spielte für Klubs in Dänemark, England, Island und sogar auf den Malediven. Henriksen ist verheiratet und hat drei Söhne. Die Frau und die beiden jüngeren Söhne leben bei ihm in der Schweiz.

Zurück zu Ihren ersten Wochen als Trainer im FC Zürich: Die Mannschaft war sieglos Letzter und nach einem Monat begann schon die Winterpause. Hätten Sie nicht besser erst im neuen Jahr übernommen?

Als Coach wünschst du dir, dass du viel Zeit auf dem Platz verbringen kannst, um mit der Mannschaft zu arbeiten. Aber diese Zeit hatte ich im Herbst nicht, weil wir alle drei Tage ein Spiel absolvierten. Ob das ein Nachteil war? Es könnte auch ein Vorteil gewesen sein. Wir hatten ein paar Niederlagen, aber wenn du verlierst, ist es vielleicht besser, grad wieder spielen zu müssen. Dann hast du keine Zeit nachzudenken, welche Fehler du gemacht hast.

Dieser Absturz vom Meistertitel auf den letzten Platz. Die Mannschaft muss in einem schlimmen Zustand gewesen sein.

Ob du im Fussball Erfolg hast oder nicht, entscheidet sich zu 90 Prozent im Kopf. Also muss ich schauen, dass sich die Spieler wohl fühlen. Wenn sie an ihren Chef glauben und an ihre Mitspieler, dann stehen sie am Morgen glücklich auf und arbeiten besser. Deshalb musste ich als Erstes die Spieler als Menschen kennenlernen und herausfinden, woran sie glauben. Diese Resultatkrise des FCZ, das konnte eigentlich nicht sein. Aber sie hat mir auch geholfen, die Spieler besser zu verstehen. Denn den wahren Menschen erkennst du, wenn es nicht gut läuft, wenn er kein inneres Gleichgewicht hat.

Jetzt haben Sie nach einer wochenlangen Vorbereitung und dem Trainingslager in der Südtürkei die Mannschaft noch besser kennengelernt. Ist sie wieder aufgestanden?

Ich habe ein gutes Gefühl. Wir haben gute Laune. Ich sehe tolle Dinge bei den Spielern, sie haben mehr Vertrauen in sich und in die Kollegen. Aber das grosse Selbstvertrauen kommt erst zurück, wenn du Dinge versuchst und siehst, dass sie klappen. Und dazu brauchen wir jetzt erfolgreiche Spiele in der Meisterschaft.

Sie sagen, dass sich 90 Prozent im Kopf entscheidet. Wie sehen beim FC Zürich die restlichen 10 Prozent aus, die rein fussballerischen?

In der Defensive waren wir ziemlich gut. In der Meisterschaft spielten wir taktisch nur zwei schlechte Partien: gegen Grasshoppers (1:4) und in Lugano (0:2). Wobei gegen Lugano war es eigentlich auch okay, da hatten wir drei Tage zuvor gegen Arsenal gespielt. Wir hatten keine richtige Vorbereitung, es kamen die Reisen hinzu zurück aus London und dann ins Tessin. Aber ich will keine Entschuldigungen für die Niederlagen suchen.

Und die Defizite?

Vorne haben wir zu wenig gemacht. Wir haben zu wenige Chancen kreiert und dann abgesehen vom Sieg gegen Servette auch nicht effizient gespielt. Wir brauchen ganz klar mehr Tore, in der dritten Zone müssen wir besser werden. Da brauchen wir mehr Klarheit im Kopf – Sie sehen, wieder der Kopf.


13 Tore in 16 Spielen: Der FCZ hat im Herbst viel zu wenig Tore erzielt und ist deshalb Tabellenletzter. (Zürich, 27.10.2023)
Michael Buholzer / KEYSTONE
Nehmen Sie im Hinblick auf die Rückrunde taktische Änderungen vor, um das Problem zu beheben?

Wir haben Stürmer mit Qualität, mit Afriyie und Simic sind nochmals zwei dazugekommen. Dass wir zu wenige Tore erzielten, betrifft aber auch nicht nur die Stürmer. Es stehen auch die Verteidiger und die Mittelfeldspieler in der Verantwortung. Wir spielen mit nur einem Sechser, somit haben wir mehr Möglichkeiten, weitere Spieler in den Abschluss zu bringen. Daran arbeiten wir im Training.

Apropos Arbeit im Training: Sie waren zuvor Coach von Midtjylland, einem Klub, der Vorreiter war darin, datenbasiert zu trainieren und Spieler zu rekrutieren.

Heute fliesst die Datenanalyse in jedem Klub in die Arbeit auf dem Trainingsplatz ein. Solche Statistiken sind überall zu checken. Von wo erzielt ein Team die meisten Tore? Von wo kommen die Assists, wo muss der Ball erobert werden, damit die Chance auf einen Treffer erhöht wird? Die Datenanalysten zerlegen ein Spiel in Tausende von Teilen, die man überall nützen kann.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie als Trainer konkret mit den Erkenntnissen aus diesen Daten arbeiten?

In Midtjylland arbeiteten wir mit dem Algorithmus von «Smart Odds» (diese englische Wettfirma gehört dem Briten Matthew Benham, der auch Mehrheitsaktionär von Midtjylland ist; Red), der Tausende und Abertausende von Spielen analysiert. Damit erfahren wir, dass 90 Prozent der Tore im Strafraum fallen.

Also müssen wir herausfinden, wie wir am schnellsten in den Strafraum kommen, nachdem wir den Ball erobert haben. Und dann wiederum, wo die Balleroberung am meisten Sinn macht. Meine Aufgabe als Trainer ist es, so zu arbeiten, dass die Spieler im Spiel eben rasch in diese Positionen kommen, wo sie den Ball erobern, den Assist machen und das Tor schiessen können.

Plaudern Sie doch noch ein bisschen mehr aus dem Nähkästchen.

Allzu viel will ich nicht verraten. Aber ein weiteres Beispiel ist der Einwurf: Wird dieser nicht innerhalb von sieben Sekunden ausgeführt, wird das Risiko, den Ball zu verlieren, zehn Mal grösser. Oder: Ich will, dass meine Stürmer die Pässe im Strafraum schlagen. Sie sollen nicht mit dem Ball zur Cornerfahne laufen. Denn ein letzter Pass, der im Strafraum geschlagen wird, erhöht die Chance auf einen Treffer im Vergleich zu einer Flanke von ausserhalb um 60 Prozent.

Da stellt sich die Frage, ob die Spieler mit einer solchen Flut an Informationen nicht überfordert sind. Die Intuition spielt doch auch eine wichtige Rolle.

Klar, Fussball soll Spass sein, man soll auch Freiheiten haben auf dem Platz. Und letztlich sind die Spieler Menschen, die Entscheide treffen, auch falsche. Mein Job ist es, dass die Spieler nicht zu viele, aber die richtigen und entscheidenden Daten bekommen. Ich muss einem Profi nicht beibringen, wie er Fussball spielen oder wie er einen Pass schlagen soll. Aber ich kann ihm aufzeigen, wo sein Pass Sinn macht.

Muss ein Trainer nun eher Mathematiker sein oder Psychologe?

Wie gesagt, das Taktische, das macht vielleicht 10 Prozent aus. Dank der Datenanalyse sind es vielleicht fünf Prozent mehr. Der Rest ist hier (er tippt sich an die Stirn; Red). Ich sage zu einem Spieler: Wie kann ich dir helfen. Und nie: Du musst das oder das machen. Es ist ein permanenter psychologischer Prozess. Du musst als Trainer die Spieler fühlen, ihnen Energie geben, Kraft und Glaube in die eigenen Stärken vermitteln.

Sie reden oft von dieser Energie, von Gefühlen, von Vertrauen. Trifft es einen Trainer wie Sie härter, wenn er entlassen wird, so wie Sie im Sommer in Midtjylland?

Wenn du Trainer bist, weisst du, dass dieser Tag irgendwann kommt. Ich habe alles gegeben, ich kann in den Spiegel schauen. Die Resultate waren gut. Wir waren Zweiter und Cupsieger. Aber der FC Kopenhagen hat halt zehn Mal mehr Geld zur Verfügung. Ich habe auf meine Art gearbeitet, und am Ende wollten sie in Midtjylland etwas anderes. Das ist okay.


«Wenn du Trainer bist, dann weisst du, dass der Tag der Entlassung irgendwann kommt.» (Eindhoven, 13.10.2023)
Claudio Thoma / freshfocus
Sie haben mal gesagt, Sie hätten in allen Klubs die geforderten Resultate übertroffen. Verraten Sie uns bitte, was FCZ-Präsident Ancillo Canepa von Ihnen fordert!

Der FCZ will irgendwann wieder in den Europacup. Das ist ein Klub mit grossen Visionen. Das liebe ich, denn auch ich will gewinnen. Aber fürs Erste müssen wir demütig sein. Um dahin zu kommen, wo es etwas zu gewinnen gibt, müssen wir zuerst unten rauskommen. Der Abstiegskampf wir hart. Keiner hat den FCZ dort erwartet. Vier Punkte Rückstand auf Winterthur, acht auf die Teams auf Platz 8 – das ist schon eine Hypothek.

Echt jetzt? Niemand glaubt ernsthaft daran, dass der FCZ absteigen könnte.

Fakt ist: Wir sind Letzter, wir sind das schlechteste Team. Wir müssen uns darauf fokussieren, was jetzt ist, hart arbeiten und alles daransetzen, diesen Platz schnellstmöglich zu verlassen. Ich hoffe, dass wir für die restlichen 20 Spiele die Nummer vier sind oder die Nummer fünf oder sogar die drei. Und daran glaube ich auch. Aber wir müssen demütig sein. Du darfst im Leben nie glauben, dass du zu gut oder zu stark bist, dass etwas passieren könnte. Wenn du nicht demütig bist, bist du irgendwann verloren.


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