Fabian Rohner

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Höi
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Re: Fabian Rohner

Beitragvon Höi » 29.10.22 @ 22:54

Breitenreiter hat geschrieben:
PASCOLO1896 hat geschrieben: er kam unglücklich angerutscht... aber es war keine aggression..


Unglücklich angerutscht ohne Aggression? Ein Paradebeispiel von FCZ-Brille, meine Güte... Rohner sieht nur Pusic, schaut direkt auf seine Beine, schert den Hopper komplett ein und fällt fast mit seinem ganzen Gewicht auf das Bein des Gegners.


Mein Gott. Gefühlt 2 Monate nach dem Spiel. Schreib doch deinen Scheiss in Dein Hopperforum.


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trellez
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Re: Fabian Rohner

Beitragvon trellez » 27.01.23 @ 22:11

Tagi online (Marcel Rohner)

Und dann, bei jedem Ball an den Kopf: Migräne

Fabian Rohner kam als grosses Talent zum FC Zürich, doch dem Traum von der Karriere drohte das frühe Ende. Die Sorgen nahmen überhand. Jetzt hat er sich mit dem Fussball versöhnt.

Erst kommen die Kopfschmerzen, dann das Flimmern vor den Augen, bei vielen noch die Übelkeit – Migräneanfälle können unerträglich sein. Vor allem dann, wenn sie mehrmals pro Woche einsetzen. Die Gründe sind vielseitig: Das Wetter, das Licht, die Luft, Stress, Übermüdung – das macht die Krankheit so kompliziert.

Fabian Rohner ist Fussballprofi beim FC Zürich und hat mit Migräne zu kämpfen. Ausgelöst wird sie bei ihm durch Schläge auf den Kopf. Kontrollierte Kopfbälle gehen, knallt ein Ball aber mit voller Wucht ins Gesicht, muss er nach Hause, das Zimmer abdunkeln und sich hinlegen.

Es gab Zeiten, da spielte Rohner mit einem Helm, er gab ihm etwas Sicherheit, half aber auch nicht. Und darum war der heute 24-jährige Zürcher irgendwann ratlos: Wie soll er seinem Beruf noch nachgehen, wenn er zum Beispiel einen Schuss mit dem Kopf abwehren will und sich danach hinlegen muss?

Im Januar 2017 gehört Rohner erstmals zur ersten Mannschaft des FC Zürich, er, der als Zehnjähriger vom SV Höngg kam, ist dort, wo er hinwollte. Er spielt in der Challenge League, steigt mit dem FCZ auf, spielt in der Super League. Er ist schnell und hat einen guten Schuss, er macht in seiner ersten Saison seine ersten zwei Tore in der höchsten Spielklasse.

Aber Rohner merkt bald, wie schnell es wieder in die andere Richtung gehen kann. Die Migräneanfälle schränken ihn ein. Im Sommer 2018 reagiert der FCZ und nimmt ihn aus dem Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft. Rohner hält sich auf dem Heerenschürli in Schwamendingen mit der U-21 des Vereins fit, weit weg von den Profis, die damals auf der Allmend Brunau trainieren. Ein Jahr lang absolviert er kein Spiel.

Als der Fussball zur Hassliebe wird
Der damalige FCZ-Trainer Ludovic Magnin sagt Rohner, er müsse die Probleme in den Griff kriegen. Rohner sagt heute: «Das war für mich nachvollziehbar, ein Profi bringt dir so keinen Mehrwert.» Er probiert alles aus, nichts funktioniert, und die Lust vergeht. Er kommt in ein Dilemma: «Ich liebte Fussball, aber verachtete ihn auch, weil ich deswegen diese Kopfschmerzen hatte.»

Er hat das Glück, dass sich im Frühling 2019 Ciriaco Sforza bei ihm meldet und sagt: «Ich kenne deine Geschichte, sie spielt keine Rolle. Ich will, dass du zu mir kommst und Spass am Fussball hast.» Der FCZ stimmt zu, verlängert den Vertrag und schickt Rohner ein Jahr nach Wil, wo Sforza zu diesem Zeitpunkt Trainer ist. Ohne Druck und Erwartungen, das hilft.

Zum «Blick» sagt Rohner im September 2019: «Aufgeben kam nie infrage.» Heute sagt er: «Ich wollte keine Schwäche zeigen.» Denn es gibt sie in jener Saison 2018/19 durchaus, die Momente, in denen Aufgeben zur Option wird. Gespräche mit seinem Vater habe man gar nicht mehr Gespräche nennen können, weil er oft nur noch geweint habe, sagt Rohner.

Keine Schwäche zeigen
Der Profisport kann ein brutales Geschäft sein. Jungen Athleten und Athletinnen wird früh vermittelt, dass es nur die zu etwas bringen, die sich durchbeissen. Die Öffentlichkeit hat durch die Medien fast permanent Einblick in die Krankenakte. Schwäche zu zeigen, heisst auch, sich angreifbar zu machen, auf Social Media oder in vollen Stadien.

Gerade in einem Teamsport wie Fussball, in dem viele um wenige Plätze kämpfen, soll wann immer möglich der Eindruck einer unerschütterlichen Persönlichkeit haften bleiben. Liefert man über mehrere Wochen nicht, ist schnell der Nächste zur Stelle, und der Schweizer Markt mit seinen zehn Super-League-Clubs ist klein.

«Ich weiss, dass es für den Club schwer war: ‹Wenn er nicht gesund ist, bringt er uns nichts.› Aber sie haben den Glauben an mich nicht verloren.»

Auch Rohner ist anfangs zurückhaltend, dann merkt er, dass es ihm guttut, über die Probleme zu sprechen. Er sagt: «Ich zeigte selten Schwäche, aber irgendwann explodierte ich, und im Nachhinein tat es gut, alles herauszulassen.» Er spricht mit den Teamkollegen darüber, aber auch mit Bezugspersonen ausserhalb des Fussballs.

In Wil läuft es Rohner gut, Sforza setzt auf ihn, wenn er fit ist, spielt er. Am Ende kommt er in der Challenge League auf 29 Einsätze. Die Migräne begleitet ihn auch da, ganz los wird sie Rohner wohl nicht mehr. Um ihr vorzubeugen, beginnt er mit Neuroathletiktraining für die Augen, das hilft ihm, die Attacken sind seltener geworden.

Als Kind war er der schnellste Zürcher
Seit Sommer 2020 ist Rohner wieder Teil der ersten Mannschaft des FCZ. Er sagt: «Ich weiss, dass es auch für den Club nicht einfach war: ‹Wenn er nicht gesund ist, bringt er uns zu wenig.› Aber sie haben den Glauben an mich nicht verloren.» Dafür sei er dankbar. Er ist der wertvolle Einwechselspieler, der überall einsetzbar ist, teils spielt er sogar als Sturmspitze. Wohl fühlt er sich aber vor allem auf dem Flügel, dort kann er seine grosse Stärke ausspielen, die Geschwindigkeit.

Rohner ist einer der schnellsten Spieler der Super League, als Kind war er mehrmals schnellster Zürihegel, Sieger eines Laufwettbewerbs für Stadtzürcher Schulkinder. Er qualifizierte sich für regionale und kantonale Wettkämpfe, stand bei den Schweizer Meisterschaften barfuss und in Fussballshorts da, während andere in ihren Nagelschuhen und Renntrikots sprinteten, und wurde Vierter. Mit Ball am Fuss fühlte er sich aber wohler.

Im Frühling 2022 wird der FCZ unter Trainer André Breitenreiter Schweizer Meister, die Spieler feiern, und Rohner denkt, dass das der Moment ist, in dem sich alles auszahlt. Er kommt heute auf fast 90 Spiele für den FCZ. Er ist Cupsieger und Meister. Er spielte in der Europa League gegen Arsenal und Eindhoven in grossen Stadien. Er hat den Fussball wieder lieben gelernt.
Wer spät zu Bett geht und früh heraus muss, weiss, woher das Wort Morgengrauen kommt. (R. Lembke)


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