Ich wott mal no gseit ha...

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Zhyrus
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Zhyrus » 12.09.19 @ 18:23

Bartholomeus hat geschrieben:Den Zusamnmenhang mit der Kollektivstrafe der Südkurve sehe ich hier nicht, deshalb kann ich mich jetzt auch nicht gross dazu äussern.

Es geht um die Gefahr, dass das Argument zum "Schutz der Bevölkerung" für beinahe alle Zwecke genutzt und missbraucht werden kann und auch wird, weil es eine Einzelfallbewertung untergräbt und Risiken einer Personengruppe bewertet.

Auch ein Straftäter hat - nach Verbüssung seiner Strafe - das Recht, dass sein Fall genau angeschaut wird und kein Pauschalurteil aufgrund von Rückfällen von Anderen gefällt wird.

Grundsätzlich muss zwischen (Gefängnis-)Strafe und Therapie/Verwahrung unterschieden werden. Letzteres sollte nicht verlängert werden, weil man die Bestrafung zu milde findet, sondern nur wenn weitere Straftaten befürchtet werden müssen. Ersteres muss über eine Anpassung der Strafmasse im Gesetz geregelt oder eben verschärft werden.
Krönu hat geschrieben: [Die] Beiträge von mir dienen definitiv nicht der Sachlichkeit und sind schon gar nicht geistreich, feinsinnig oder vernünftig!

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Titanium
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Titanium » 12.09.19 @ 21:50

Hier wird hauptsächlich über den Täter gesprochen, über Massnahmen und die Möglichkeit, wie er therapiert werden könnte und wie sein Weg zurück in die Gesellschaft aussähe, bei gutem Verlauf. Alles klar - jeder hat eine zweite Chance verdient (auch wenn ich hier zugegebenermassen riesige Verständnisprobleme habe). Das Opfer bekommt aber keine zweite Chance. Es muss mit der schrecklichen Erfahrung leben. Es muss lernen, irgendwie damit klar zu kommen. Wie das Leben des Opfers wohl aussieht und seine Zukunft weiss niemand, das Opfer wohl am wenigsten. Mir scheint, dem Opfer wird nach wie vor zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Kosten für die Therapierung und Wiedereingliederung des Täters sind in dieser Diskussion kein Thema gewesen, beim Opfer jedoch schon. Das Opfer war einfach am falschen Ort, war ausgeliefert, hilflos und schutzlos und büsst nun nicht nur mit den Folgen lebenslang sondern muss sich auch noch anhören, dass es ein Kostenfaktor ist, den es zu vermeiden gilt. Ich frage mich, wieso das so ist. Wieso wird stets dem Täter mehr Aufmerksamkeit gegeben als dem Opfer. Wenn dem Opfer nicht geholfen wird, und das jahrelang, dann entsteht daraus zwangsläufig irgendwann ein Sozialfall. Das kostet dann eine Menge und dies wird dann wiederum dem Opfer angelastet. Und man schadet dabei nicht nur dem Opfer sondern auch seinem ganzen Umfeld. Man lässt sie alle irgendwann alleine! Unverständlich. Primär müsste doch das Opfer im Zentrum stehen und sicher nicht der Täter.
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Zhyrus
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Zhyrus » 12.09.19 @ 22:32

Du punktest mehr als Hardliner gegen Straftäter als auch Psychologe für Opfer, deshalb sind die Diskussionen Täter-orientiert. Gerade die SVP, die an vorderster Front in dieser Problematik kämpft, gibt gerne jeden Franken für Law & Order aus, während Soziales und Psychologisches als Weicheiertum der Linken verspottet wird. Tja, Staat & Steuern sind halt böse...

Natürlich ist jeder Franken, der an einen Täter geht, heiss diskutiert: Stichwort Carlos. Die ganze "Täterschutz"-Debatte geht ja in diese Richtung.

P.S.: Ich habe keine Ahnung, wie die psychologische Betreuung der Opfer in der Schweiz aussieht. Vielleicht ist sie ja gar nicht so schlecht, wie du sie hier machst (Vorwurf, dass man ein Weiterleben des Opfers schon fast mutwillig von der Prioritätenliste streicht).
Krönu hat geschrieben: [Die] Beiträge von mir dienen definitiv nicht der Sachlichkeit und sind schon gar nicht geistreich, feinsinnig oder vernünftig!

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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Sektor D » 13.09.19 @ 8:23

Passend zum Thema lief gestern der SRF DOK über den forensischen Psychiater Frank Urbaniok. Ging zwar auch um seine Krebsdiagnose, aber v.a. auch darum, wie er mit seiner Art die Sichtweise auf gewisse Verbrechen (v.a. Sexualdelikte resp. "Triebtaten") in der Schweiz massiv verändert hat. So ging man lange von einem "gesellschaftlichen Phänomen" aus. Urbaniok hat den Fokus dabei stärker auf das Individuum gelegt und so versucht, Taten und Täter besser zu begreifen.

Er gilt aber auch als "Hardliner" in der Szene, da er unverblümt sagt, dass gewisse Täter nicht therapierbar sind (was sich praktisch alle anderen Psychologen kaum trauen zu sagen) und entsprechend für immer weggesperrt gehören. Und mit "für immer" meint er auch für immer. Beispielsweise wurden lebenslang verurteilte Täter damals, also Anfang 90er, meistens nach 10 - 12 Jahren entlassen. Urbaniok pochte aber darauf, dass bei gewissen Tätern lebenslang eben auch lebenslang bedeuten sollte.

Er hat jedenfalls massgeblich für die Veränderungen der Schweizer Justiz resp. der entsprechenden Straf-Massnahmen beigetragen. War äusserst spannend!
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Sektor D » 13.09.19 @ 12:01

Und weil wir's davon hatten...

https://www.20min.ch/schweiz/zentralsch ... e-27160688

Ich kenne ja logischerweise keine Details... aber 2.5 Jahre, davon 6 Monate unbedingt, ist doch nicht zu glauben. Für jahrelangen Missbrauch!
Verjährung hin oder her, als Opfer käme ich mir dermassen verarscht vor und würde jeden Glauben in unser Rechtssystem verlieren.

Ich weiss, man kann ewig diskutieren. Solche Urteile schockieren mich einfach immer wieder aufs Neue.
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Titanium » 13.09.19 @ 12:16

Vorausgesetzt auch die letzte Instanz bestätigt das Urteil und damit das Fehlverhalten des Täters und dass es sich so verhalten hat, wie es im Artikel beschrieben ist. Niemand half dem Opfer aus verschiedenen Gründen, die wir nicht kennen. Aber dass sich eine Psychologin nicht dafür zuständig hält ist schon sehr bitter. Auch hier wieder: nach 6 Monaten ist der Täter wieder auf freiem Fuss. Auch steht da nichts über eine Therapie. Und das Opfer wird lebenslänglich damit konfrontiert sein. Ich werde bei solchen Fällen immer überzeugt sein, dass der Täter stets besser wegkommt. Er kann nach seiner Busse wieder ins normale Leben zurück - das Opfer kann es nicht!
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon pepino_ » 13.09.19 @ 12:36

Titanium hat geschrieben: Mir scheint, dem Opfer wird nach wie vor zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Kosten für die Therapierung und Wiedereingliederung des Täters sind in dieser Diskussion kein Thema gewesen, beim Opfer jedoch schon. Das Opfer war einfach am falschen Ort, war ausgeliefert, hilflos und schutzlos und büsst nun nicht nur mit den Folgen lebenslang sondern muss sich auch noch anhören, dass es ein Kostenfaktor ist, den es zu vermeiden gilt. Ich frage mich, wieso das so ist. Wieso wird stets dem Täter mehr Aufmerksamkeit gegeben als dem Opfer. Wenn dem Opfer nicht geholfen wird, und das jahrelang, dann entsteht daraus zwangsläufig irgendwann ein Sozialfall. Das kostet dann eine Menge und dies wird dann wiederum dem Opfer angelastet. Und man schadet dabei nicht nur dem Opfer sondern auch seinem ganzen Umfeld. Man lässt sie alle irgendwann alleine! Unverständlich. Primär müsste doch das Opfer im Zentrum stehen und sicher nicht der Täter.


Vielleicht liest du dazu mal das OHG oder informierst dich über eine der Anlaufstellen und deren Tätigkeit:
https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20041159/index.html
https://www.obzh.ch/wp_live/wp-content/uploads/2019/05/Jahresbericht-der-Opferberatung-Zuerich-2018.pdf

In der Schweiz wird in diesem Bereich sehr viel gemacht und das ist gut so. Das muss aber auch irgendwie bezahlt werden, da setzt sich die Law&Order-Fraktion e.g. Nathi aus Winti dann auf einmal nicht mehr so energisch für die Opfer ein. Wenn man dann noch einige Müsterchen vorstellen würde, bei denen Opfer unterstützt werden, obwohl gar keine Straftat nachgewiesen werden konnte (vgl. Art. 1 Abs. 3 lit. a OHG) - idealerweise ein Beispiel eines ausländischen Opfers, das sich illegal hier aufhielt und dann in diesem Zusammenhang eine Aufenthaltsbewilligung bekam (vgl. Art. 30 lit. e AIG) - kippt die Stimmung ziemlich schnell.
On any given Sunday you're gonna win or you're gonna lose. The point is - can you win or lose like a man?

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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon MetalZH » 14.09.19 @ 10:10

Sektor D hat geschrieben:Passend zum Thema lief gestern der SRF DOK über den forensischen Psychiater Frank Urbaniok. Ging zwar auch um seine Krebsdiagnose, aber v.a. auch darum, wie er mit seiner Art die Sichtweise auf gewisse Verbrechen (v.a. Sexualdelikte resp. "Triebtaten") in der Schweiz massiv verändert hat. So ging man lange von einem "gesellschaftlichen Phänomen" aus. Urbaniok hat den Fokus dabei stärker auf das Individuum gelegt und so versucht, Taten und Täter besser zu begreifen.

Er gilt aber auch als "Hardliner" in der Szene, da er unverblümt sagt, dass gewisse Täter nicht therapierbar sind (was sich praktisch alle anderen Psychologen kaum trauen zu sagen) und entsprechend für immer weggesperrt gehören. Und mit "für immer" meint er auch für immer. Beispielsweise wurden lebenslang verurteilte Täter damals, also Anfang 90er, meistens nach 10 - 12 Jahren entlassen. Urbaniok pochte aber darauf, dass bei gewissen Tätern lebenslang eben auch lebenslang bedeuten sollte.

Er hat jedenfalls massgeblich für die Veränderungen der Schweizer Justiz resp. der entsprechenden Straf-Massnahmen beigetragen. War äusserst spannend!


Man kann das auch genau umgekehrt darstellen: Durch den Druck der Medien trauen sich manche Psychiater nicht mehr, einem verurteilten Straftäter Therapierbarkeit zu attestieren, da es sonst auf sie "zurückfallen" könnte, wenn dieser dann wieder eine Tat begeht. Oft wird deshalb die sichere Variante gewählt und der Täter einfach verwahrt.

Quelle: Eine Bekannte bei der Jugendanwaltschaft.
We are Motörhead. And we play Rock'n'Roll.

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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon schwizermeischterfcz » 14.09.19 @ 23:05

Dave hat geschrieben:Wär um Gottes Wille gaht go Dieter Bohlen (!?!) im Hallestadion go luege?


Der Wettstein Mischi:
Babu65 hat geschrieben:
NZZaS vom 21.7. hat geschrieben:

Eine Mannschaft spielt immer so, wie der Verein organisiert ist. Thun: einfach, bodenständig. So spielen sie.


FCZ: Amateurhaft, Chaotisch. So spielen sie.

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Dave
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Re: Ich wott mal no gseit ha...

Beitragvon Dave » 15.09.19 @ 9:25

schwizermeischterfcz hat geschrieben:
Dave hat geschrieben:Wär um Gottes Wille gaht go Dieter Bohlen (!?!) im Hallestadion go luege?


Der Wettstein Mischi:


Muhahaha passt perfekt.
Aber ja, jedem Tierchen sein Pläsirchen.
Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!

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