Pedro hat geschrieben:Ich bin beeindruckt wie viele Rechte hier am Start sind. Ich habe eigentlich gehofft, dass beim FCZ (40% Ausländer im Kader), bzw. dessen Fans der Grundtenor etwas anders ist, doch dem ist nicht so (war ja klar...). Es ist trotzdem immer wieder schockierend wieviele Leute auf die Rechte Polemik reinfallen. Politik kann ich das schwer nennen, denn Politik setzt für mich keine Meinung (die hat jeder - unabhängig deren Qualität), sondern Reflexion voraus. D.h. wer auf Grund seiner unreflektierten Meinung politisiert, wählt und abstimmt, ist nicht nur geistig unreif, sondern auch verantwortungslos. Im Konkreten heisst das, dass zum Beispiel die Ausländerpolitik nicht auf nationaler Ebene zu führen ist, sondern da wo sie passiert: global. Anstatt sich über gewisse Dinge aufzuregen, irgendwelche Pseudolösungen zu suchen und Symptombekämpfung zu betreiben, würde ich meinen, dass eine anständige Analyse der Ursachen bei weitem angebrachter wäre. Das heisst unter anderem einsehen, dass wer global agiert auch global Verantwortung trägt!!! Wer also das Geld aus aller Welt auf seinen Banken hortet, muss sich nicht wundern, wenn ebendiesem Geld, dann auch die Leute folgen, denen es genommen wurde. Wer globalen Raubbau und Ausbeutung betreibt (oder wieviel hat dein Shirt, dein Essen, dein Auto, dein PC, ... gekostet?), darf sich glücklich schätzen, wenn er lediglich mit einer erhöhten Immigration zu "kämpfen" hat. Zur Veranschaulichung: Wer gerne Fisch isst und diesen vor der Küste Senegals durch internationale Fischereiflotten fangen lässt, muss sich nicht wundern wenn er auf seinem Heimweg durch den Park einen senegalesischen Ex-Fischer beim Dealen antrifft, der versucht nichts anderes versucht als seine Familie in SEINER HEIMAT zu ernähren.
Ich finde kulturelle Identität sehr wichtig und schätze vieles an der schweizer Kultur, daher bin ich auch davon überzeugt, dass es diese Sachen zu bewahren gilt, doch nicht weil es schweizerisch (der Rahmen des Nationalstaates ist ein formeller und eigentlich uninteressant) ist, sondern weil es Teil meiner Selbst und meines Umfeldes ist. Es ist falsch Werte konservieren zu wollen, denn diese sollten sich durch stetige Reflexion mit(!) dem sozialen Kontex wandeln. Es ist jedoch wichtig gerade im Umfeld der liberalisierenden (gerade gesellschaftlich) Globalisierung Kulturen und Subkulturen zu pflegen. Vereinfacht: Strikte Wertekonservierung = dumm ... Pflegen seiner Kultur (und der daran geknöpften Identität) = wichtig.
Und zum Abschluss noch eine kleine Analyse des politischen Status quo:
Die FDP und SP irren relativ ziellos umher (dies auch ihre Misere), da dank unseres Wohlstandes im Laufe der Jahre viele ihrer Ziele erreicht wurden (und nun die Perspektiven fehlen): Die Schweiz hat sowohl eine relativ liberalisierte Wirt- und Gesellschaft, kann aber auch auf ein gut ausgebautes Sozialsystem mit anständigen Arbeitsbedingungen stolz sein. Somit wurden diese zwei Parteien in eine konservative Rolle gedrängt, bei der es darum geht das Erworbene zu erhalten und vielleicht ab und zu an einzelnen Stellen auszubauen.
Die CVP dümpelt irgendwo in der Mittelmässigkeit umher und lebt von ihrem Stamm mittelmässiger Wähler. Profilierungsversuche nicht ausgeschlossen.
Die SVP stand vor folgendem Problem: Der Schweiz ging es immer besser und die konservative Linie wurde uninteressant, denn man nicht mehr sagen: Früher war alles besser. Also liess sich der zürcher Flügel unter der Leitung von C.B. etwas tolles einfallen: Wenns allen gut geht, gilt es Angst und Panik zu schüren um zu verhindern, dass das Volk dies realisiert. Also erfanden sie die Mär vom bösen Ausländer und fanden so einen Weg ihr konservatives Gedankengut (von der guten alten -ausländerfreien- Schweiz) doch noch unter die Menschen zu bringen. Weil die Idee so einfach war und die Umsetzung so stark, können sie bis zum heutigen Tag davon zehren.
Als neuere und anfängliche Underdog-Partei hatten die Grünen die Möglichkeit und Freiheit ihr Parteiprogramm der Gegenwart anzupassen und die Zeichen der Zeit, d.h. die neuen globalen Anforderungen an die Politik zu erkennen . Nationale Politik auf globaler Ebene und umgekehrt - do laufts! Die Grünen setzen das zur Zeit mit der Klimadebatte (für all die wos nonig wüssed Klima isch es gobals Politikum) um und haben daher, trotz ihres Sandalesimages (doch auch das ändert sich langsam), das grösste Potential in der schweizer Politik.
Wollen die SP und die FDP in Zukunft punkten, so sollten sie auf den selben Zug aufspringen und Sozial-, bzw. Wirtschaftspolitik auf eine globale Ebene bringen und dafür ein Bewusstsein schaffen.
Ja - so siehts aus ... wer alles (von meiner 1-August-Ansprache) bis hier gelesen hat, kriegt zwei proper respects aka props von mir...
uff, ich hab's gelesen! Her mit den proper respects aka props aber subito.
Zum Inhalt: Ja, ja ich sehe einiges ähnlich. Was ich nicht verstehe ist Dein Konzept der nationalen Politik auf globaler Ebene respektive den Unterschied in Ausländerpolitik der Rechten und Klimapolitik der Grünen? Ich werte nicht! Mir geht's nur um folgendes: Du kannst die Ausländerpolitik der "Rechten" von mir aus gerne inhaltlich kritisieren aber nicht weil der globale Gedanke fehlt, denn es sind ja grundsätzlich einmal verschiedene Wege denkbar, dieses globale Problem zu meistern.
Und dann habe ich Mühe mit der Gegenüberstellung von Kulturpflege und Wertkonservierung. Das ist mir zu sehr "entweder oder". "Wertkonservierung" ist bei vielen Leuten, die man so gemeinhin dem eher linken Spektrum zuordnen würde, ein Begriff, dem man skeptisch gegenübertritt. Meines Erachtens aber völlig zu Unrecht. Der Mensch braucht Orientierung und Freiheit ist nicht Willkürfreiheit. Die totale Relativierung der Werte lässt letzlich eben auch ganz üble Exzesse zu. Trotzallem sind Werte nicht unabänderlich aber eine gewisse Trägheit und in diesem Sinne Wertkonservativität muss nichts Schlechtes oder Dummes sein und schon gar nicht ist das dann mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen (ich sage nicht, Du hättest das behauptet).
Passend dazu fehlt jetzt noch die Analyse der Grün-Liberalen im Parteienspektrum: Idee super, an der Umsetzung happert's noch, zu personenlastig und für mich (kein Witz!) zu wertkonservativ! Aber mit Potenzial.
So, wer jetzt beide Posts gelesen hat und darauf auch noch antwortet, kriegt einer meiner beiden proper respects aka props, die mir Pedro schuldet.